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    Kommentar: Blutige Kommunikation

    Einmal mehr wurde Beirut seinem Ruf gerecht, die nahöstliche Hauptstadt der Bombenanschläge zu sein. Der doppelte Selbstmordanschlag vom Dienstag auf die dortige iranische Botschaft hat 23 Menschen das Leben gekostet, darunter einem iranischen Diplomaten. Sunnitische Dschihadisten haben sich dazu bekannt. Der Anschlag fügt sich ein in die endlose Kette dieser Gewaltakte, die im Libanon ein Mittel der politischen Kommunikation sind. Als solche sind sie meist leicht dechiffrierbar. Auch in diesem Fall: Dem Iran sollte – mit Grüßen aus Saudi-Arabien, das der Hauptsponsor radikaler Sunniten ist – die Rechnung für die Unterstützung des syrischen Regimes präsentiert werden. Zusammen mit der libanesischen Hisbollah und Russland ist das Mullahregime der wichtigste Verbündete Assads mittels Waffen, Logistik und Militärberatern. Sollte es das Kalkül der sunnitischen Attentäter gewesen sein, den Iran so möglicherweise von weiterer Unterstützung für Assad abzuschrecken, wird dies selbstverständlich nicht aufgehen: Zu wichtig ist für Teheran das Überleben des syrischen Regimes, als dass ein paar Bomben hier einen Politikwechsel herbeiführen könnten. Vergeltungsaktionen werden indes folgen. Der iranische Geheimdienst hat hier im Verbund mit der Hisbollah seine Möglichkeiten. Dass indes erstmals direkt eine iranische Einrichtung im Libanon angegriffen wurde, zeigt, dass die sunnitische Seite zur Eskalation bereit ist, während sie in Syrien militärisch in der Defensive ist. Leidtragender ist der fragile Libanon, der ohnehin unter der Last der syrischen Flüchtlinge ächzt und politisch durch den bald dreijährigen Konflikt im großen Nachbarland gelähmt ist. Keinen größeren Dienst könnte man dem kleinen Land mit seiner großen christlichen Bevölkerung erweisen, als wenn endlich eine politische Lösung in Syrien gefunden würde. Wie Hohn klingt es da, wenn jetzt im Libanon teilweise behauptet wird, hinter dem Anschlag stünden die „Zionisten“: Israel mag für vieles verantwortlich sein. Den Syrienkonflikt und sein Übergreifen auf den Libanon haben die Akteure der Region indes ganz alleine hinbekommen.

    Einmal mehr wurde Beirut seinem Ruf gerecht, die nahöstliche Hauptstadt der Bombenanschläge zu sein. Der doppelte Selbstmordanschlag vom Dienstag auf die dortige iranische Botschaft hat 23 Menschen das Leben gekostet, darunter einem iranischen Diplomaten. Sunnitische Dschihadisten haben sich dazu bekannt. Der Anschlag fügt sich ein in die endlose Kette dieser Gewaltakte, die im Libanon ein Mittel der politischen Kommunikation sind. Als solche sind sie meist leicht dechiffrierbar. Auch in diesem Fall: Dem Iran sollte – mit Grüßen aus Saudi-Arabien, das der Hauptsponsor radikaler Sunniten ist – die Rechnung für die Unterstützung des syrischen Regimes präsentiert werden. Zusammen mit der libanesischen Hisbollah und Russland ist das Mullahregime der wichtigste Verbündete Assads mittels Waffen, Logistik und Militärberatern. Sollte es das Kalkül der sunnitischen Attentäter gewesen sein, den Iran so möglicherweise von weiterer Unterstützung für Assad abzuschrecken, wird dies selbstverständlich nicht aufgehen: Zu wichtig ist für Teheran das Überleben des syrischen Regimes, als dass ein paar Bomben hier einen Politikwechsel herbeiführen könnten. Vergeltungsaktionen werden indes folgen. Der iranische Geheimdienst hat hier im Verbund mit der Hisbollah seine Möglichkeiten. Dass indes erstmals direkt eine iranische Einrichtung im Libanon angegriffen wurde, zeigt, dass die sunnitische Seite zur Eskalation bereit ist, während sie in Syrien militärisch in der Defensive ist. Leidtragender ist der fragile Libanon, der ohnehin unter der Last der syrischen Flüchtlinge ächzt und politisch durch den bald dreijährigen Konflikt im großen Nachbarland gelähmt ist. Keinen größeren Dienst könnte man dem kleinen Land mit seiner großen christlichen Bevölkerung erweisen, als wenn endlich eine politische Lösung in Syrien gefunden würde. Wie Hohn klingt es da, wenn jetzt im Libanon teilweise behauptet wird, hinter dem Anschlag stünden die „Zionisten“: Israel mag für vieles verantwortlich sein. Den Syrienkonflikt und sein Übergreifen auf den Libanon haben die Akteure der Region indes ganz alleine hinbekommen.