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    Kommentar: Benedikt hat Recht behalten

    Es ist schon merkwürdig: Bis hinauf zum amerikanischen Präsidenten reicht die Empörungswelle, wenn irgendwo in der Welt die islamische Religion und was ihr heilig ist verunglimpft wird. Das war bei den Verunehrungen des Koran während des Irakkriegs so und bei den Mohammed-Karikaturen 2006, das ist jetzt nach der Koranverbrennung mit Ansage durch den evangelikalen Pastor aus Florida nicht anders.

    Es ist schon merkwürdig: Bis hinauf zum amerikanischen Präsidenten reicht die Empörungswelle, wenn irgendwo in der Welt die islamische Religion und was ihr heilig ist verunglimpft wird. Das war bei den Verunehrungen des Koran während des Irakkriegs so und bei den Mohammed-Karikaturen 2006, das ist jetzt nach der Koranverbrennung mit Ansage durch den evangelikalen Pastor aus Florida nicht anders.

    Werden aber Symbole und Inhalte des christlichen Glaubens mit Füßen getreten oder gar dreihundertfach ins Feuer geworfen wie die Bibeln in diesem Jahr in der Mullah-Diktatur Iran (siehe Interview unten), überspringt die Empörung die mediale Wahrnehmungsschwelle nicht. Kein Politiker sieht sich genötigt, auf die Kanzel zu steigen und Respekt zu predigen.

    Kann es sein, fragt man sich da, dass es gar nicht um die grundsätzliche Achtung vor einer Weltreligion und ihren Anhängern geht? Geht es nicht viel eher um die Beschwichtigung eines tobenden Mobs auf den Straßen der muslimischen Welt? Moralische Entrüstung zur Entschärfung des Sicherheitsrisikos Islam? Wie nötig das ist, zeigt Afghanistan: Dort mussten kürzlich mehrere Mitarbeiter der Vereinten Nationen ihr Leben lassen. Sie wurden aus Rache für die Koranverbrennung gelyncht.

    Damit ist die Berechtigung der vielbefehdeten Regensburger Rede des Papstes von 2006 leider ein ums andere Mal bestätigt worden. Die Antwort auf die Gretchenfrage des Papstes, wie die Muslime es mit der Gewalt hielten, blieb nicht lange aus: Die Angriffe auf Christen und ihre Einrichtungen in der ganzen provozierten muslimischen Welt folgten schnell. Es hilft alles nichts: Die Muslime müssen endlich ihr Verhältnis zur religiös motivierten Gewalt klären. Wenn es so ist, wie uns islamische Schriftgelehrte beständig versichern, dass der Koran und die auf ihm basierende Religion eine des Friedens seien, dann muss dieses Wissen an den Mann auf der Straße und nicht so sehr an westliche Hörer in Talkshows und interreligiösen Dialogkommissionen.