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    Kommentar: Atomkraft, nein danke

    Mit der Kernkraft ist es moralisch gesehen ganz einfach: Was man zu hundert Prozent beherrschen können muss, derzeit – und nie – aber nicht beherrschen kann, darf man auch nicht anwenden. Darauf hinzuweisen wird etwa der Philosoph Robert Spaemann nicht müde. Ihm zufolge müssen Techniken fehlerfreundlich sein. Die Atomkraft verzeiht aber keine Fehler. Japan zeigt dies. Gewiss, es ist nicht eigentlich menschliches Versagen, das zu dem bedrohlichen Zustand in gleich mehreren Atomkraftwerken geführt hat, sondern es sind die Folgen des Bebens. Die Technik war aber offensichtlich nicht allen Szenarien gewachsen.

    Mit der Kernkraft ist es moralisch gesehen ganz einfach: Was man zu hundert Prozent beherrschen können muss, derzeit – und nie – aber nicht beherrschen kann, darf man auch nicht anwenden. Darauf hinzuweisen wird etwa der Philosoph Robert Spaemann nicht müde. Ihm zufolge müssen Techniken fehlerfreundlich sein. Die Atomkraft verzeiht aber keine Fehler. Japan zeigt dies. Gewiss, es ist nicht eigentlich menschliches Versagen, das zu dem bedrohlichen Zustand in gleich mehreren Atomkraftwerken geführt hat, sondern es sind die Folgen des Bebens. Die Technik war aber offensichtlich nicht allen Szenarien gewachsen.

    Natürlich, die Atomkraft ist ambivalent: Sie ist angesichts zur Neige gehender fossiler Ressourcen hocheffizient, sie ist CO2-neutral. Sie macht aber Probleme nicht nur im Katastrophenfall wie in Tschernobyl oder jetzt in Fukushima. Dass das Endlagerungsproblem nicht gelöst und seriös nie lösbar ist, macht uns Heutige im Idealfall zu Nutznießern der Atomkraft. Unsere Nachfahren aber belastet sie mit einer Hypothek, die zu bedienen wenigstens den technischen Stand von heute für viele Jahrtausende voraussetzt. Dass das nicht wahrscheinlich, wenigstens aber nicht sicher ist, diskreditiert die Atomkraft vollends. Sie ist eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten und kann moralisch deshalb nicht aufgehen.

    Dass die Chinesen ungerührt in den nächsten fünf Jahren vierzig neue Meiler errichten wollen, hat nicht nur mit der ökologischen Verantwortungslosigkeit in dem Riesenreich zu tun. Ganz im Gegenteil soll ja der CO2-Ausstoß gesenkt werden. Gleichzeitig müssen Millionen Menschen durch Wirtschaftswachstum integriert werden. Das ist in Deutschland grundsätzlich nicht anders. Hier will das Volk die Atomkraft nicht. Es fürchtet sich vor ihr. Recht hat es. Doch das Volk muss auch sehen: Ohne Wohlstandsverlust wird die ganz schnelle Energiewende nicht möglich sein. Wenn man das in Kauf zunehmen bereit ist, dann hat man alles moralische Recht zu rufen: Atomkraft, nein danke. Aber nur dann.