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    Kommentar: Anschlag auf das Ethos des Arztes

    Unter Juristen gilt das Strafrecht für gewöhnlich als das „schärfste Schwert“. Daher warnen Rechtsgelehrte den Gesetzgeber ebenso regelmäßig wie gerne davor, es nur als „ultima ratio“ einzusetzen. Als „fortschrittlich“ gilt unter Juristen denn auch nicht selten derjenige, der das Strafrecht in der Waffenkammer des demokratisch verfassten Staates belässt und seine Ziele anders zu erreichen versteht. Wer sich mit solchen Schablonen im Kopf den Plänen nähert, mit denen eine Allianz von Politikern um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) den ärztlich assistierten Suizid rechtlich unangreifbar machen will, der übersieht nicht nur, dass sich das Zivilrecht gegenüber dem (ärztlichen) Standesrecht nicht minder scharf ausnimmt wie das Strafrecht gegenüber dem zivilen Recht. Nein, er läuft auch Gefahr, vor lauter fein gesponnenen Fäden das Netz zu übersehen, das über das Ethos des Arztes geworfen wird.

    Stefan Rehder. Foto: DT

    Unter Juristen gilt das Strafrecht für gewöhnlich als das „schärfste Schwert“. Daher warnen Rechtsgelehrte den Gesetzgeber ebenso regelmäßig wie gerne davor, es nur als „ultima ratio“ einzusetzen. Als „fortschrittlich“ gilt unter Juristen denn auch nicht selten derjenige, der das Strafrecht in der Waffenkammer des demokratisch verfassten Staates belässt und seine Ziele anders zu erreichen versteht. Wer sich mit solchen Schablonen im Kopf den Plänen nähert, mit denen eine Allianz von Politikern um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) den ärztlich assistierten Suizid rechtlich unangreifbar machen will, der übersieht nicht nur, dass sich das Zivilrecht gegenüber dem (ärztlichen) Standesrecht nicht minder scharf ausnimmt wie das Strafrecht gegenüber dem zivilen Recht. Nein, er läuft auch Gefahr, vor lauter fein gesponnenen Fäden das Netz zu übersehen, das über das Ethos des Arztes geworfen wird.

    Natürlich ließe sich argumentieren, durch die Pläne von Hintze & Co. werde kein Arzt gezwungen, einem Patienten den Giftbecher zu reichen. Das stimmt – zumindest bislang – ist aber auch gar nicht nötig. Denn ein Berufsethos, das nicht mehr von allen Angehörigen des Berufsstandes geteilt werden muss, hat aufgehört, eines zu sein. Deswegen kann auch das Argument der Befürworter des ärztlich assistierten Suizids nicht überzeugen, sowohl auf Seiten der Patienten wie der Ärzte gebe es nun einmal unterschiedliche Vorstellungen darüber, was ein Leben lebenswert macht. Und das aus mehreren Gründen: Denn das ärztliche Ethos zeichnet sich ja genau dadurch aus, dass es sich solcher Wertungen enthält. Ärzte sind Mediziner, die sich darauf beschränken, das in ihrer Macht stehende zu tun, um die Gesundheit des Patienten wiederherzustellen, und sich kein Urteil darüber erlauben, was ein Leben lebenswert macht. Auch müsste echter Respekt vor ethischen Pluralismus in die Schaffung eines neuen Berufsstandes münden, statt in die Zerstörung eines der ältesten der Welt. Aber um die Rechtsgrundlage für „Terminatoren“ zu schaffen, fehlen Hintze & Co. der Mut. Der reicht nur für die Zerstörung des ärztlichen Ethos.

    von Stefan Rehder