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    Kirchen und Häuser brennen

    Sie zündeten Kirchen und Wohnhäuser an, zerstörten Geschäfte und machten Jagd auf Christen und Angehörige anderer Minderheiten. Nach der Niederlage des früheren Militärmachthabers Muhammadu Buhari bei den nigerianischen Präsidentschaftswahlen zogen seine wütenden Anhänger durch Städte wie Kaduna und Kano. Mehr als 500 Menschen kamen bei den Unruhen nach der Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan ums Leben. Offizielle Zahlen zu den getöteten Menschen gibt es nicht. Das Rote Kreuz sprach von zahlreichen Toten und etwa 74 000 Flüchtlingen, in der Mehrzahl Christen. Amtsinhaber Jonathan, ein Christ aus dem Süden, erhielt nach dem offiziellen Endergebnis der Wahlen vom 16. April knapp 22,5 Millionen Stimmen. Sein größter Herausforderer, Muhammadu Buhari, ein Muslim aus dem Norden, konnte gut 12,2 Millionen Stimmen auf sich vereinen. Goodluck Jonathan rief inzwischen zu Besonnenheit und nationaler Einheit auf. Im Fernsehen appellierte der Staatschef an alle politischen Führer, im Interesse von Frieden und Wohlergehen des Volkes für ein Ende der Gewalt zu sorgen. Die Bürger hätten viele Opfer gebracht, um faire und freie Wahlen zu ermöglichen.

    Für Christen bleibt der Norden Nigerias ein gefährliches Pflaster: Das Bild zeigt einen Mann vor einem von jungen Unruhe... Foto: dpa

    Sie zündeten Kirchen und Wohnhäuser an, zerstörten Geschäfte und machten Jagd auf Christen und Angehörige anderer Minderheiten. Nach der Niederlage des früheren Militärmachthabers Muhammadu Buhari bei den nigerianischen Präsidentschaftswahlen zogen seine wütenden Anhänger durch Städte wie Kaduna und Kano. Mehr als 500 Menschen kamen bei den Unruhen nach der Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan ums Leben. Offizielle Zahlen zu den getöteten Menschen gibt es nicht. Das Rote Kreuz sprach von zahlreichen Toten und etwa 74 000 Flüchtlingen, in der Mehrzahl Christen. Amtsinhaber Jonathan, ein Christ aus dem Süden, erhielt nach dem offiziellen Endergebnis der Wahlen vom 16. April knapp 22,5 Millionen Stimmen. Sein größter Herausforderer, Muhammadu Buhari, ein Muslim aus dem Norden, konnte gut 12,2 Millionen Stimmen auf sich vereinen. Goodluck Jonathan rief inzwischen zu Besonnenheit und nationaler Einheit auf. Im Fernsehen appellierte der Staatschef an alle politischen Führer, im Interesse von Frieden und Wohlergehen des Volkes für ein Ende der Gewalt zu sorgen. Die Bürger hätten viele Opfer gebracht, um faire und freie Wahlen zu ermöglichen.

    Obwohl der Ablauf der Wahl von internationalen Beobachtern als fair und frei eingeschätzt wurde, kam es in den folgenden Tagen vor allem im muslimisch geprägten Norden zu tödlichen Ausschreitungen. In Kaduna, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates im Norden Nigerias, war die Welle der Gewalt am heftigsten. Hier leben mehrheitlich Muslime. Wütende Anhänger Buharis hatten in Kaduna und anderen Städten Häuser, Kirchen und Polizeiwachen angezündet, als klar wurde, dass der Christ Jonathan die Wahl gewinnen würde. Wegen der Unruhen hatten viele Christen im Norden Nigerias in Polizeistationen und Kasernen Ostern gefeiert. Wie der britische Sender BBC berichtete, suchten im Bundesstaat Kaduna zahlreiche Gläubige am Ostermontag bei Sicherheitskräften Zuflucht.

    Wegen der Unruhen sollen die ursprünglich für gestern anberaumten Gouverneurs- und Senatswahlen in den Staaten Kaduna und Bauchi nun am Donnerstag stattfinden. In den anderen 35 Bundesstaaten und im Hauptstadt-Distrikt Abuja sollten die Wahlen wie vorgesehen abgehalten werden. Die Gouverneurs- und Senatswahlen bilden den Abschluss eines dreiwöchigen Wahlmarathons, nachdem zuvor das Parlament und der Präsident bestimmt worden waren. Auch die Gouverneurs- und Senatswahlen stehen im Zeichen von Gewalt. So gab es in einigen Städten im Nordosten Nigerias Bombenanschläge mit mehreren Toten und Verletzten. Ein Polizeisprecher machte die radikalislamische Sekte „Boko Haram“ für die Anschläge verantwortlich. Boko Haram (übersetzt „Westliche Erziehung ist verboten“) sieht sich als Verfechter des wahren Islam. Die islamistische Sekte hat in der Vergangenheit zahlreiche Anschläge, vor allem auf Kirchen, verübt.

    Obwohl seit 1999 die zwölf nördlichen Bundesstaaten Nigerias das Scharia-Strafrecht eingeführt haben, geht Boko Haram die Islamisierung des Landes nicht weit genug. Man will einen islamischen Gottesstaat und die Ausdehnung des Scharia-Strafrechts auf ganz Nigeria. Koranschulen sollen der einzig legitime Ort für Schulausbildung sein und ein verwestlichter Lebensstil geächtet werden. Die nigerianische Bischofskonferenz respektiert zwar die Einführung der Scharia als Gewohnheitsrecht, lehnt sie aber als eine allgemeingültige Gesetzgebung für alle Einwohner Nigerias ab. Am Sonntag veröffentlichte Boko Haram eine Stellungnahme, in der sie Anschläge auf Regierungs- und Behördenvertreter verteidigte. Wie stark Boko Haram ist, bleibt unklar.

    Trotz der gewaltsamen Übergriffe nach den Präsidentschaftswahlen ist die Demokratisierung in Nigeria nicht aufzuhalten. Das erklärte der Erzbischof von Kaduna, Matthew Ndagoso, gegenüber dem katholischen Missionswerk missio in Aachen. Die Lage in Kaduna sei sehr angespannt. „Leider besteht zurzeit die Gefahr, dass sich die Gewalt, die zunächst gegen Parteibüros, staatliche Einrichtungen und Polizei gerichtet war, auch gegen Christen richten wird. Es besteht die Gefahr, dass die für die Gewalt Verantwortlichen die Christen erneut als Sündenböcke abstempeln“, warnte Erzbischof Ndagoso und bekräftigte zugleich: „Wenn die Anhänger des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten meinen, ihr Kandidat sei betrogen worden, dann geht es um politische Fragen, nicht um religiöse.“ Erzbischof Ndagoso erklärte, dass es besonders junge Leute gewesen seien, die die Gewalt angezettelt hätten. Viele von ihnen seien sehr arm, hätten keinerlei Ausbildung und glaubten jetzt, ihr Kandidat sei betrogen worden.

    Wenn es gelingt, die Unruhen zu beenden und auch die Gouverneurs- und Senatswahlen friedlich durchzuführen, dann ist Nigeria auf seinem steinigen Weg der Demokratisierung einen großen Schritt vorangekommen. Einen Schritt, den man in ganz Afrika aufmerksam beobachten wird. Aber auch außerhalb des Kontinents. Schließlich ist Nigeria neben Südafrika das wichtigste Land Afrikas.