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    „Kirche kann der Gesellschaft Halt geben“

    Was bedeutet Ihnen Ihre Konfession? Schon als Kind war ich damit im protestantisch geprägten Heidelberg in der Minderheit. Aber das hat mich nie gestört, ich stehe zu meiner Konfession.

    Was bedeutet Ihnen Ihre Konfession?

    Schon als Kind war ich damit im protestantisch geprägten Heidelberg in der Minderheit. Aber das hat mich nie gestört, ich stehe zu meiner Konfession. Ich bin, genau wie meine beiden älteren Geschwister, katholisch erzogen worden, wenngleich meine Mutter evangelisch ist und ich einen evangelischen Kindergarten besucht habe. Mein Vater ist katholisch. Auch meine Frau ist katholisch, und wir haben katholisch geheiratet. Der Glaube ist ein wichtiger Teil meines privaten Lebens, den ich pflege.

    Auch im Gebet?

    Ja, denn im Zwiegespräch mit Gott besinnt man sich auf wesentliche Grundfragen und einen roten Faden, der nie verloren gehen darf. Es gibt Ruhe und Gelassenheit und die Gewissheit: Selbst bei Fehlern hat man einen Halt, der einen über das aktuelle Geschehen hinweg trägt. Unsere Gesellschaft krankt daran, dass wir das tägliche Leben sehr professionell bewältigen, aber der Sinn des Lebens immer weniger Thema ist. Doch ohne diesen roten Faden klappt irgendwann das Alltagsgeschäft nicht mehr.

    Wie sah Ihre katholische Kindheit aus?

    Ich war einige Jahre Messdiener und in der katholischen Jugend unserer Gemeinde engagiert, habe Zeltlager und andere Aktionen mitgemacht. Später war ich in der Katholischen Studierenden Jugend KSJ. Das war ein wichtiger Baustein meines Lebens. Das Abitur habe ich am humanistischen Gymnasium gemacht, das auch meine Geschwister besuchten. Ich bin meinen Eltern für diese Entscheidung dankbar, denn ich glaube, dass einem Latein- oder Altgriechisch-Kenntnisse nicht nur helfen, bestimmte Sprachen leichter zu verstehen, sondern auch, den humanistischen Geist besser leben zu können.

    Was erwarten Sie als Politiker von der Institution Kirche?

    Für mich sind die Kirchen ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft. Nicht nur, weil sie Aufgaben erfüllen, die der Staat nicht mehr erledigen kann, sondern weil sie der Gesellschaft Halt geben können. Das ist gerade in der Anonymität von Großstädten sehr wichtig.

    Für viele hat die Kirche durch das Thema sexueller Missbrauch an Glaubwürdigkeit verloren. Wie stehen Sie dem gegenüber?

    Ich nehme diese Krise so wahr, dass sie in der Kirche zu einem Stück Selbstbesinnung führt. Doch wie in allen Gesellschaftsbereichen gehören auch zur katholischen Kirche Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Und ich glaube nicht, dass unter Katholiken besonders viele mit besonders vielen Schwächen sind.

    Kürzlich ist durch die von Ihnen verfügte Schließung einer Hamburger Moschee eine unerfreuliche Seite des Islam in den Fokus gerückt. Wie wünschen Sie sich das Zusammenleben der Religionen und Kulturen in der Gesellschaft?

    Ich wünsche mir von allen Seiten, dass Toleranz großgeschrieben wird. Wir sind ein Land mit Religionsfreiheit und größtmöglichen Entfaltungsmöglichkeiten. Das setzt voraus, dass alle, auch die hier lebenden Muslime, in einer Gemeinschaft Toleranz üben. In Hamburg gilt das für die ganz überwiegende Mehrzahl der Muslime. Aber wo es zum Angriff auf unsere freiheitliche Grundordnung kommt, muss der Staat handeln. Das haben wir mit der Schließung der Moschee getan.

    Wird ein katholischer Bürgermeister den rund zehn Prozent Katholiken in Hamburg mehr Gehör verschaffen?

    Ich möchte als Bürgermeister ein offenes Ohr für alle Institutionen der Stadt haben. Auch die Kirchen könnten dieses Angebot zur Kommunikation nach meinem Empfinden noch stärker nutzen. Überhaupt sollten sie sich in gesellschaftlichen Themen noch aktiver einbringen. Die katholische Kirche befindet sich momentan in einer schwierigen Phase. Aber auch da ist es angezeigt, mit Selbstbewusstsein als Kirche aufzutreten, denn katholisch kommt ja von griechisch „katholos“ und bedeutet umfassend. In einer norddeutschen Millionenmetropole, in der sie nicht so stark vertreten ist, ist das vielleicht umso wichtiger. DT/KNA