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    Kinder leiden unter dem Krieg

    Das Kinderhilfswerk Unicef weist in einem Bericht auf die Schicksale von Kindern hin, die in Kriegsregionen leben

    Situation der Kinder in Syrien
    Ein Beispiel, das für die Schicksale vieler Kinder steht: Dieses Mädchen sitzt auf einer Straße im zertstörten Aleppo. E... Foto: dpa

    New York (DT/dpa) Kinder in Kriegsgebieten werden weltweit immer stärker zur Zielscheibe von Krigeshandlungen. Das hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef in einem Bericht herausgearbeitet, in dem die Situation von Kindern in Kriegs- und Krisenregionen dargestellt wird. Die Konfliktparteien missachteten offensichtlich das Völkerrecht, durch das die Wehrlosesten geschützt werden sollten, sagte Manuel Fontaine, der Unicef-Direktor für Nothilfe-Programme bei der Präsentation des Berichtes in der UN–Zentrale in New York.

    In Konflikten in aller Welt seien Kinder zu Zielen an der Front geworden. Sie würden teilweise von den Kriegsparteien als menschliche Schutzschilde verwendet, sie würden getötet, verstümmelt und für den Kampf angeworben. Vergewaltigung, Zwangsheirat, Verschleppung und Versklavung seien in Konflikten im Irak, Syrien, Jemen, in Nigeria, im Südsudan und Myanmar Taktik, um den Gegner psychisch zu zerstören. Viele Millionen Kinder zahlten zudem einen indirekten Preis und litten an Mangelernährung, Krankheiten und Traumata. Ihre Entwicklung werde dadurch nachhaltig und dauerhaft beeinträchtigt.

    Kinder würden Angriffen und brutaler Gewalt in ihren Häusern, Schulen und auf ihren Spielplätzen ausgesetzt, beklagte Fontaine. Diese Angriffe setzten sich Jahr für Jahr fort. „Wir dürfen nicht taub sein. Solche Brutalität darf nicht die neue Normalität sein.“

    Allein in Afghanistan kamen in den ersten neun Monaten 2017 nach Unicef-Angaben fast 700 Kinder ums Leben. In Nigeria und Kamerun habe die Terrorgruppe Boko Haram mindestens 135 Kinder gezwungen, als Selbstmordattentäter zu agieren. Im Irak und Syrien würden Kinder als menschliche Schutzschilde eingesetzt. Im Jemen seien nach fast 1 000 Tagen Krieg mindestens 5 000 Kinder getötet oder verletzt worden. Mehr als elf Millionen Kinder benötigten Hilfe.

    Das Kinderhilfswerk legt diesen Bericht jedes Jahr vor. Es verbindet die Präsentation mit dem Appell an die politisch Verantwortlichen, die Situation der Kinder in der Welt zu verändern.

    Die Vereinten Nationen melden zudem, dass nur ein Bruchteil der staatlich zugesagten Nothilfe für den Nahen Osten bereits gezahlt wurde. Für syrische Flüchtlinge fehlen allein dieses Jahr 2,6 Milliarden Dollar international zugesagter Hilfe. Mittel, die auch in die Hilfe für die betroffenen Kinder fließen könnten.

    Die nachhaltigen Folgen für die Kinder wurde an einem Beispiel illustriert: Ein Kind, das heute sieben Jahre ist und in Syrien lebt, kennt nur den Krieg und hat den Frieden gar nicht mehr erlebt.

    Eine besondere Erinnerung an die Bedeutung der Kinderrechte bekommt auch in den nächsten Tagen das politische Berlin präsentiert: Die Sternsinger wollen in diesem Jahr besonders auf die Folgen der weltweiten Kinderarbeit aufmerksam machen. Zum Auftakt der bundesweiten Aktion „Dreikönigssingen“ kamen am Freitag in Trier nach Angaben des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ mehr als 2 600 junge Menschen in ihren typischen Gewändern zusammen. Sie besuchten Workshops, Bühnenvorführungen und musikalische Darbietungen, die unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“ standen. Wie in jedem Jahr werden sie auch dem Kanzleramt einen Besuch abstatten.

    Sie werden wie in jedem Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen und begrüßt werden. Ein Zeichen, dass ihr Engagement für Kinderrechte von der Politik ernst genommen wird.

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