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    Kein Schüler soll die Schule ohne Abschluss verlassen

    Bundeskanzlerin Merkel hat die „Bildungs-republik“ ausgerufen. Was ist nach dem „Bil-dungsbericht 2008“ vom Bund zu erwarten?

    Bundeskanzlerin Merkel hat die „Bildungs-republik“ ausgerufen. Was ist nach dem „Bil-dungsbericht 2008“ vom Bund zu erwarten?

    Bildungspolitik ist in der Föderalismuskommission I eindeutig den Bundesländern zugeordnet worden. Speziell die Zukunftschancen der Hauptschüler sind in dem Bildungsbericht sehr kritisch betrachtet worden. Aber Hauptschulen in Bayern schneiden mit deutlich besserem Ergebnis ab als in vielen anderen Bundesländern. In Berlin sind nur acht Prozent der Gesamtschülerschaft an der Hauptschule, in Bayern etwa ein Drittel. Damit wird klar, dass sich in Bayern ganz andere Perspektiven ergeben.

    Die Bundeskanzlerin fordert mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem. Stellt sie das dreigliedrige System in Frage?

    Frau Merkel will ich an dieser Stelle nicht interpretieren. Wir haben in Bayern gerade in den letzten Jahren intensiv an dieser Durchlässigkeit gearbeitet. Dazu zwei Zahlen: 43 Prozent der Hochschulzugangsberechtigungen kommen mittlerweile aus der beruflichen Bildung, Fachhochschule, Berufsoberschule. Hier haben Realschüler, aber auch Hauptschüler Anknüpfungsmöglichkeiten unter dem Motto von Siegfried Schneider „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Im bayerischen Bildungssystem gibt es keine Sackgassen, aber vielfältige Möglichkeiten mit hoher Durchlässigkeit.

    Es gibt noch immer Lehrer- und Erziehermangel. Warum wird nicht genug investiert?

    Im bayerischen Staatshaushalt wird jeder dritte Euro für Bildung ausgegeben, also etwa neun Millionen für den schulischen Bereich, etwa vier Millionen für Hochschulen. Und wir werden auch in diesem Jahr in den Schulen 2 245 weitere Stellen einrichten. Auch in den letzten Jahren hat Bayern die Ausgaben für Bildung massiv erweitert.

    Im G-8-Gymnasium wird die verkürzte Zeit durch den Nachmittagsunterricht kompensiert. Wie sieht das zeitliche Konzept für die Bewältigung des Lernstoffs aus?

    Wir haben sichergestellt, dass auch im achtjährigen Gymnasium in der 5. Klasse kein Nachmittagsunterricht gebraucht wird. In den Klassen 6 bis 8 wird maximal ein verpflichtender Nachmittag dabei sein und in den Klassen 9 bis 10 gibt es maximal zwei verpflichtende Nachmittage. Die Stundenbudgets für das Gymnasium bleiben erhalten – das G-8-Gymnasium ist also kein Sparmodell, ganz im Gegenteil: Die Gymnasien werden im nächsten Jahr genau die gleichen Stundenzahlen zur Verfügung haben, während aber die Zahl der verpflichtend zu erteilenden Stunden gesunken ist. Hier hat die Schule jetzt mehr Möglichkeiten, auch im Wahlbereich und Förderbereich, Themen anzubieten, die vorher nicht so leicht zu unterrichten waren. Die Belastung der Schüler, die im Hinblick auf das achtjährige Gymnasium öffentlich diskutiert wurde, haben wir gut in den Griff bekommen, ohne an der Qualität Abstriche hinnehmen zu müssen. Die Anregungen der Eltern, Schüler und Lehrkräfte sind dabei sehr ernst genommen worden. Und der Konsens von Philologenverband, Direktorenvereinigung und Landeselternvereinigung hat bei der Planung der verkürzten Schulzeit zu einem guten Kompromiss geführt.

    Wie lässt sich die Akzeptanz der Hauptschule verbessern und sicherstellen, dass Hauptschü-ler beruflich weiterkommen?

    Wir haben die Hauptschulinitiative ins Leben gerufen, durch die sich die Hauptschule stärker berufsorientiert ausrichtet. Kein Schüler soll die Schule ohne Abschluss verlassen. Dann sollen sie entsprechend auf ein Berufsleben vorbereitet werden.

    Von Alexander Riebel