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    Kambodscha soll zahlen

    In Kambodscha ist die Empörung groß. Fast ein halbes Jahrhundert, nach dem die USA im Vietnam-Krieg mehr als 500 000 Tonnen Bomben auf das südostasiatische Land abgeworfen hatten, verlangt Washington die Rückzahlung von Schulden in Höhe von 662 Millionen US-Dollar. Die Schuldenlast begann mit einem US-Darlehen von 274 Millionen für Nahrungsmittel-Lieferungen für das damalige Lon-Nol-Regime. Die Schulden verdoppelten sich nahezu, als Kambodscha sich weigerte, ein Rückzahlungsprogramm vorzulegen.

    Reisfeld
    Harter Hände Arbeit: Reisernte in Kambodscha. Foto: dpa

    In Kambodscha ist die Empörung groß. Fast ein halbes Jahrhundert, nach dem die USA im Vietnam-Krieg mehr als 500 000 Tonnen Bomben auf das südostasiatische Land abgeworfen hatten, verlangt Washington die Rückzahlung von Schulden in Höhe von 662 Millionen US-Dollar. Die Schuldenlast begann mit einem US-Darlehen von 274 Millionen für Nahrungsmittel-Lieferungen für das damalige Lon-Nol-Regime. Die Schulden verdoppelten sich nahezu, als Kambodscha sich weigerte, ein Rückzahlungsprogramm vorzulegen.

    Die Bomben galten zwar offiziell den Roten Khmer und den Vietcong, die von 1970 bis 1975 gegen die von den USA unterstützte Khmer-Republik kämpften, doch bei den Kämpfen kamen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Später übernahmen die Roten Khmer die Macht und töteten in Kambodscha zwischen 1975 und 1979 etwa zwei Millionen Menschen. Die meisten wurden von den Rebellen, die ein maoistisches Agrarkollektiv aufbauen wollten, getötet, andere verhungerten, starben an Erschöpfung und an Krankheiten.

    Zeit, über Entschädigung durch Amerika zu reden

    Ministerpräsident Hun Sen reagierte schroff auf die Forderung der US-Amerikaner: „Sie haben Bomben auf unsere Köpfe geworfen und verlangen nun eine Rückzahlung.“ Das komme überhaupt nicht infrage. Es sei Zeit, über eine Entschädigung durch die Amerikaner zu reden, die weite Teile seines Landes zerstört hätten, betonte Hun Sen. Politische Beobachter sehen in der Forderung der USA Anzeichen für den neuen außenpolitischen Kurs der Regierung Trump.

    Kambodscha steht auf der Liste der am wenigsten entwickelten Länder ganz hinten und ist damit eines der ärmsten Länder der Welt. Auch wenn das südostasiatische Land heute weitgehend stabil ist, ist seine Struktur durch den jahrelangen Bürgerkrieg noch immer gezeichnet. Trotz beachtlicher wirtschaftlicher Reformanstrengungen, hoher Wachstumsraten und Unterstützung durch eine Reihe von Geberländern bleibt die wirtschaftliche Grundlage des Landes schwach. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt noch immer unter der Armutsgrenze. Dabei ist der Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft – vorwiegend beim Reisanbau – beschäftigt.

    Allerdings ist die Wettbewerbsfähigkeit kambodschanischer Agrarprodukte angesichts geringer Produktivität bei gleichzeitig hohen Produktionskosten und ungeklärten Landbesitzverhältnissen im Vergleich zu direkten Nachbarländern wie Thailand und Vietnam sehr gering. Weitere Standbeine der Wirtschaft sind die exportorientierte Textil- und Schuhproduktion, der wachsende Tourismusbereich und die Bauindustrie. Die Wirtschaft wird allerdings durch Korruption, mangelhafte In-frastruktur sowie hohe Energiekosten und regelmäßig wiederkehrende Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen und Dürreperioden stark beeinträchtigt.

    Kambodscha ist stark von internationaler Hilfe abhängig. Der Staatshaushalt setzt sich zu einem großen Teil aus Geldern von ausländischen Gebern zusammen. Kambodscha gehört zu den Schwerpunktländern deutscher Entwicklungshilfe.