• aktualisiert:

    John McCain

    Der gläubige Amerikaner. Von Oliver Maksan

    John McCain
    _

    Wird mit John McCain die alte republikanische Partei zu Grabe getragen? US-Präsident Trump jedenfalls kam seit McCains Tod am Samstag kein gutes Wort über den Mann über die Lippen, über den er zu Lebzeiten sehr viele schlechte Worte gefunden hatte. Tatsächlich stand McCain, Jahrgang 1936, für die nicht-populistische, globalistische Variante der Partei Lincolns und Reagans: Pro-interventionistisch, ein militärischer Falke gar, und pro Freihandel vertrat er das Partei-Establishment, das Trump in den Vorwahlen 2016 an den Rand drängte. Trumps Wahlerfolg ließ McCain aber, anders als viele andere Republikaner, nicht verstummen. Er wurde sein wohl hartnäckigster innerparteilicher Kritiker.

    DER GLÄUBIGE AMERIKANER

    McCain war dabei ein Schwergewicht. Das hatte nicht nur mit seiner jahrzehntelangen Zugehörigkeit zum US-Senat zu tun. Die Aura persönlicher Autorität umwehte den Mann. Er entstammte einer militärischen Dynastie, gehörte zur weißen Aristokratie des Landes. Im Vietnamkrieg wurde er 1967 gefangen genommen. Fünf Jahre mit Isolationshaft und Folter folgten, ehe er freigelassen wurde und in ein verändertes Amerika kam. Während ihn – so der Titel seiner Memoiren – der „Glaube seiner Väter“ an Ehre, Pflicht und Vaterland durch die Jahre in Vietnam gerettet hatte, war es gerade dieser Krieg, der zum Bruch in Amerikas bis dahin ungetrübtem Selbstbewusstsein führte. Nixon, Watergate und das Vietnam-Desaster: Die Nation war am Tiefpunkt. Mit Reagan fassten Amerikas Konservative neue Hoffnung. McCain unterstützte ihn. 2000 trat er in den Vorwahlen gegen den jüngeren Bush an und verlor. Dass er die christliche Rechte gegen sich aufgebracht hatte, indem er deren wichtigste Vertreter als „Agenten der Intoleranz“ bezeichnet hatte, war sicher nicht hilfreich. 2008 dann setzte er sich innerparteilich durch – und verlor doch gegen Barack Obama. Zuvor hatte er versucht, die christlichen Wähler zu mobilisieren. Und diese gaben McCain denn auch mehrheitlich ihre Stimme. Roe vs. Wade müsse revidiert werden, betonte er. Dass er in der Stammzellforschung Positionen einnahm, die Katholiken nicht teilen konnten, hinderte wertkonservative Katholiken nicht, ihn gegenüber Obama als geringeres Übel zu betrachten. McCain war dabei kein wirklich frommer Mann. Einer episkopalen Familie entstammend, besuchte er zuletzt zwar die baptistische Gemeinde in Phoenix. Entscheidend war für ihn vor allem der Glaube an Amerikas Größe. „Er möchte, dass wir alle Glauben haben, aber vor allem Glauben an unser Land“, so sein Biograf. Von Amerikas Größe und was damit anzufangen sei, hatten McCain und der Präsident des „Make America great again“ andere Vorstellungen.

    Bearbeitet von Oliver Maksan