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    Israels Spannungen mit der Hisbollah steigen

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich festgelegt: Unmittelbar nach dem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien hatte er am Mittwoch noch etwas vorsichtiger davon gesprochen, dass „alle Zeichen“ in Richtung Iran wiesen. Am Donnerstag dann standen für ihn die Schuldigen des Attentats zweifelsfrei fest: Die libanesische Hisbollah, „der lange Arm des Iran“, habe das Attentat ausgeführt. Kurz bevor die von der israelischen Luftwaffe ausgeflogenen fünf Särge am Donnerstag in Israel landeten, versprach er in einer seiner seltenen Pressekonferenzen, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Israel werde sie verfolgen und diejenigen einen hohen Preis zahlen lassen, die sie gesandt hätten. Netanjahu führte das nicht weiter aus.

    Trauer in Israel um die Opfer des Anschlags. Foto: dpa

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich festgelegt: Unmittelbar nach dem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien hatte er am Mittwoch noch etwas vorsichtiger davon gesprochen, dass „alle Zeichen“ in Richtung Iran wiesen. Am Donnerstag dann standen für ihn die Schuldigen des Attentats zweifelsfrei fest: Die libanesische Hisbollah, „der lange Arm des Iran“, habe das Attentat ausgeführt. Kurz bevor die von der israelischen Luftwaffe ausgeflogenen fünf Särge am Donnerstag in Israel landeten, versprach er in einer seiner seltenen Pressekonferenzen, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Israel werde sie verfolgen und diejenigen einen hohen Preis zahlen lassen, die sie gesandt hätten. Netanjahu führte das nicht weiter aus.

    Mit dem der Hisbollah zugewiesenen Anschlag aber verschärfen sich die Spannungen zwischen Israel und der südlibanesischen Schiitenmiliz erheblich. Anfang Juli erst hatte die israelische Armee Material veröffentlicht, das die Bemühungen der Hisbollah belegen soll, sich über israelische Truppenstellungen zu informieren. Außerdem wurden Provokationen seitens der regulären libanesischen Armee beklagt, in der aufgrund einer Änderung des Wehrgesetzes zunehmend Schiiten dienen, deren Sympathien tendenziell der Hisbollah gehören. Brigadegeneral Herzi Halevy warnte, dass Angriffe auf Israel die während des Zweiten Libanonkriegs 2006 ergriffenen Maßnahmen verblassen lassen würden. Man werde mit allen zur Verfügung stehenden Kräften zurückschlagen. Der Schaden werde weitaus größer als während des letzten Krieges sein. Experten glauben, dass es im Ernstfalle zu einer großen gleichzeitigen Luft- und Bodeninvasion kommen werde, um Raketenbeschuss auf Israel so schnell wie möglich auszuschalten. Eine solche Operation werde aber viele zivile Opfer zur Folge haben. Das sei unvermeidbar dem Umstand geschuldet, dass die Hisbollah ähnlich wie die Hamas im Gazastreifen ihre militärischen Anlagen inmitten ziviler Wohngebiete einrichte. Israel ist zunehmend über die wachsende Bewaffnung der Hisbollah beunruhigt. Die Miliz soll über 50 000 Raketen verfügen mit der Kapazität, 1 000 davon pro Tag abzuschießen. Militärexperten wiesen auch auf die Bedrohung des israelischen Schiffsverkehrs durch Hisbollahraketen hin. Angesichts der Tatsache, dass über 90 Prozent des Güterverkehrs über die Schifffahrt erfolgen, stellte dies im Kriegsfalle eine erhebliche Beeinträchtigung der israelischen Wirtschaft dar. Israel fürchtet zudem, dass sich die Hisbollah beispielsweise chemische Massenvernichtungswaffen aus den Reservoirs des strauchelnden syrischen Regimes verschaffen könnte. Militärkreisen zufolge ist Israel darauf vorbereitet, derartige Lieferungen um jeden Preis zu unterbinden. Nichtsdestotrotz gehörten die letzten sechs Jahre nach dem für Israel unbefriedigenden Ende des Zweiten Libanonkrieges zu den ruhigsten in den langen Jahren der feindlichen Nachbarschaft. Der israelische Angriff war von Premier Olmert seinerzeit befohlen worden, um die regelmäßigen Raketenattacken der Hisbollah auf israelische Orte zu unterbinden. Die Hisbollah betrachtete den Waffenstillstand als Sieg und konnte in der Folge ihre Position im fragilen Gefüge des Libanon zu Ungunsten der minoritären Sunniten weiter ausbauen. Das machte sie stärker und selbstbewusster. Um Spannungen durch Zwischenfälle an der Grenze zu vermeiden, hat die israelische Armee in den letzten Monaten eine Grenzmauer zwischen der israelischen Grenzstadt Metulla und der libanesischen Stadt Kafr Kila errichtet. Sie hat kürzlich aber auch eine Batterie des mobilen Raketenabwehrsystems Iron Dome in Nordisrael aufstellen lassen. Dies wurde auch als Vorbereitung auf einen möglichen Schlag gegen den Iran gedeutet. Experten gehen nämlich davon aus, dass die Hisbollah für den Fall eines israelischen Präventivschlags gegen den Iran Entlastungsangriffe auf Israel starten werde, um dessen Kräfte zu binden.

    Premier Netanjahu hat die Terrorattacke in Bulgarien am Donnerstag natürlich auch dazu genutzt, um die Welt von der Gefährlichkeit eines atomar bewaffneten Irans zu überzeugen. „Der Iran ist der Nummer-1-Exporteur von Terror in der Welt. Es ist unzulässig, dass ein Terrorstaat nukleare Waffen hat. Es ist unzulässig, dass das gefährlichste Land der Welt die gefährlichsten Waffen der Welt bekommt.“ Diese Worte waren aber auch nach Washington gerichtet. US-Außenministerin Clinton hatte Netanjahu zwar bei ihrem Besuch in Jerusalem am Montag versichert, dass man alles tun werde, um die iranische Bombe zu verhindern. Nach wie vor herrscht zwischen den USA und Israel aber Uneinigkeit in der Einschätzung, wie weit der Iran technisch ist, wie effektiv die Sanktionen sind und darüber, ob in Teheran die letzte Entscheidung zum Bau überhaupt gefallen ist.