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    „In guter Weise über die ganze Wahrheit sprechen“

    Was hat Sie zur Gründung des Priesterkreises bewogen? Wir sind zunächst einmal katholische Priester, die im Einklang mit ihrer Kirche und ihrem priesterlichen Dienst stehen.

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    Was hat Sie zur Gründung des Priesterkreises bewogen?

    Wir sind zunächst einmal katholische Priester, die im Einklang mit ihrer Kirche und ihrem priesterlichen Dienst stehen. Der Priesterkreis will Priestern unserer Diözese die Möglichkeit geben, sich über die Dekanate hinweg zu vernetzen, auszutauschen und im priesterlichen Dienst zu bestärken. Hierzu hat uns auch unser Bischof ermutigt, den wir von Anfang an über die Idee eines solchen Priesterkreises informiert haben. Dass sich dieser Kreis zum jetzigen Zeitpunkt findet, ist ein Stück weit vor dem Dialogprozess zu sehen, zu dem die Bischöfe aufgerufen haben. Wir sind bereit, uns in diesen Dialog einzubringen und den kirchlichen Positionen eine Stimme zu geben.

    Halten Sie es für geboten, in Zeiten demonstrativen priesterlichen Ungehorsams ein Zeichen der Einheit mit Papst und Bischof zu setzen?

    Ich persönlich finde es traurig, wenn sich Priester in dieser Weise von ihrer Kirche distanzieren. Als Priesterkreis stehen wir aber nicht gegen etwas, sondern für etwas ein, nämlich für unseren katholischen Glauben, um dessen Weitergabe wir uns bemühen. Die Einheit mit unserem Bischof und dem Papst gehört für uns selbstverständlich zu diesem Glauben dazu und ist im Sinne des Gebetes Jesu um Einheit ein hohes Gut.

    Ihr Kreis strebt den Austausch mit anderen Priestern an. Denken Sie vorwiegend an Gleichgesinnte oder wollen Sie auch mit Priestern ins Gespräch kommen, die sich bewusst über kirchliche Regelungen hinwegsetzen?

    Bei unserer täglichen Arbeit in der Diözese und den Dekanaten arbeiten wir mit allen Priestern und den anderen kirchlichen Diensten zusammen. Wir haben gemeinsam studiert, gegessen und gebetet und so hoffe ich, dass wir auch in Zukunft in guter Weise darüber im Gespräch bleiben, wie wir das Evangelium Christi sorgfältig in die heutige Zeit übertragen können. Manchmal habe ich den Eindruck, dass in Stellungnahmen und Diskussionsrunden nur die halbe Wahrheit zur Sprache kommt. Wir müssen lernen, in guter Weise über die ganze Wahrheit zu sprechen. Der Dialogprozess ist eine gute Gelegenheit, darüber im Gespräch zu bleiben.

    Wo kann die Pfarrei heute wirksam zur Neuevangelisierung beitragen? Wo haben Pfarrer in diesem Punkt Erfolgserlebnisse?

    Der Gedanke der Neuevangelisierung ist uns sehr wichtig. Wir erleben tagtäglich den Glaubensverlust in den Gemeinden und Familien und können dabei nicht einfach nur zusehen. Der Gedanke der Neuevangelisierung zieht sich wie ein roter Faden durch die jüngere Kirchengeschichte. Denken wir nur an die Enzyklika „Evangelii nuntiandi“ von Paul VI., an die Schrift der Deutschen Bischofskonferenz „Zeit zur Aussaat“ oder an die Impulse unseres Bischofs „missionarisch Kirche zu sein“. Unser Bischof hat nicht zuletzt mit Blick auf das kommende Jahr des Glaubens betont, wie wichtig es ist, dass wir „Glaubenszeugen“ vor Augen haben. Dazu gehören Persönlichkeiten wie ein Pater Rupert Mayer, der aus unserer Diözese stammt und hier als Vikar gewirkt hat, oder wie ein Bischof Sproll, der ein tapferer Glaubenszeuge im Dritten Reich war. Aber es kommt doch entscheidend darauf an, dass wir selber heute Glaubenszeugen sind. Der Neu-Evangelisierung muss deshalb eine Selbst-Evangelisierung der Priester und aller Christen vorausgehen. Auch als Priester müssen wir täglich aus der Heiligen Schrift und aus der Beziehung mit Jesus Christus heraus leben.

    Welche Themen sollten in den Pfarreien stärker gewichtet werden, damit das Jahr des Glaubens ein Erfolg werden kann?

    Es wäre vermessen, wenn ich sagen würde, dass ich darauf bereits die richtige Antwort parat habe. Ich erlebe immer wieder eine gewisse Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit in unseren Familien und Gemeinden, wenn es um den Glauben geht. Nur hilft es nicht, das zu beklagen. Wir müssen den Menschen helfen, den Glauben als für ihr Leben bereichernd zu erfahren. Die Freude am Glauben, die uns als Priester erfüllt, die wollen wir gern weitergeben.