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    Im Blickpunkt: Zweiter Mauerfall im Osten?

    Der Gedanke des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Rom und die Orthodoxie durch eine „doppelte Einheit“ zu verbinden, ist nicht neu. Zumindest Kardinal Husar, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, erhofft sich von diesem Modell eine Entspannung der katholisch-orthodoxen Beziehungen, deren Hauptleidtragende die mit Rom in voller Gemeinschaft stehenden katholischen altorientalischen und byzantinischen Kirchen sind. Es ist sicher kein Zufall, dass sich der Patriarch vom Sprachgebrauch katholischer und protestantischer Ökumeniker abgrenzt und hierzulande üblichen Begriffen wie „versöhnte Verschiedenheit“, „Einheit in der Vielfalt“ oder auch „Weitervereinigung“ ausweicht und stattdessen von der „offenen Tür zur Rückkehr“ spricht. Diese Formulierung klingt in westlichen Ohren leicht nach „Rückkehr-Ökumene“, dem theologischen Schreckgespenst aller Protestanten. Auch Benedikt XVI. distanzierte sich bei einer Begegnung mit orthodoxen und evangelischen Christen während des Kölner Weltjugendtags vorsichtig von Missverständnissen im Zusammenhang mit einem „Rückkehr-Ökumenismus“. Die Wortwahl des Patriarchen zeigt jedoch die Vielfalt der ökumenischen Ansätze. Sie könnte pointierte Diskussionen über das Kirchenverständnis in Gang bringen und auf diese Weise dem Gespräch zwischen den christlichen Konfessionen dienen.

    Der Gedanke des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Rom und die Orthodoxie durch eine „doppelte Einheit“ zu verbinden, ist nicht neu. Zumindest Kardinal Husar, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, erhofft sich von diesem Modell eine Entspannung der katholisch-orthodoxen Beziehungen, deren Hauptleidtragende die mit Rom in voller Gemeinschaft stehenden katholischen altorientalischen und byzantinischen Kirchen sind. Es ist sicher kein Zufall, dass sich der Patriarch vom Sprachgebrauch katholischer und protestantischer Ökumeniker abgrenzt und hierzulande üblichen Begriffen wie „versöhnte Verschiedenheit“, „Einheit in der Vielfalt“ oder auch „Weitervereinigung“ ausweicht und stattdessen von der „offenen Tür zur Rückkehr“ spricht. Diese Formulierung klingt in westlichen Ohren leicht nach „Rückkehr-Ökumene“, dem theologischen Schreckgespenst aller Protestanten. Auch Benedikt XVI. distanzierte sich bei einer Begegnung mit orthodoxen und evangelischen Christen während des Kölner Weltjugendtags vorsichtig von Missverständnissen im Zusammenhang mit einem „Rückkehr-Ökumenismus“. Die Wortwahl des Patriarchen zeigt jedoch die Vielfalt der ökumenischen Ansätze. Sie könnte pointierte Diskussionen über das Kirchenverständnis in Gang bringen und auf diese Weise dem Gespräch zwischen den christlichen Konfessionen dienen.

    Bartholomaios I. hat gute Gründe, die ökumenischen Bemühungen des Vatikans energisch zu fördern und einen Gegenakzent zu der störrischen Haltung mancher orthodoxer Würdenträger gegenüber der katholischen Kirche zu setzen. Mit Papst Benedikt eröffnet er an diesem Samstag in Rom das Paulusjahr und kann das öffentliche Forum für die Nöte der bedrängten Christen – auch der orthodoxen – in seiner Heimat nutzen. Nicht von ungefähr erwähnte er kürzlich seine Sorge „um das Leiden der heutigen Welt“: In der Türkei geht es nicht allein um die Befindlichkeiten der Christen, sondern um deren Überleben: Allein die griechisch-orthodoxe Kirche in Istanbul hat in den vergangenen fünfzig Jahren mehrere hunderttausend Gläubige verloren. Und im Herbst wird Bartholomaios I. an der Weltbischofssynode in Rom teilnehmen – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Druck im Osten wie in Rom auf das Moskauer Patriarchat und die russisch-orthodoxe Kirche wächst. Es dürfte nur eine Frage der Zeit und der Amtsübernahme eines neuen Moskauer Patriarchen sein, bis der Widerstand gegen einen Papstbesuch in Russland wie eine marode Mauer zusammenbricht. Regina Einig