• aktualisiert:

    Im Blickpunkt: Zeit für einen Schlussstrich

    Silvester bietet die Gelegenheit, einen Schlussstrich zu ziehen. Warum nicht zum Jahresende in der säkularisierten Dunkelheit ein missionarisches Licht anzünden? Von Regina Einig

    Weihnachten hat in der Öffentlichkeit ein Geschmäckle hinterlassen: Viele Predigten – zum Teil auch bischöfliche – schwelgten in gesellschaftspolitischen Betroffenheitsbekundungen, ohne einen evangelisierenden Nutzwert durchscheinen zu lassen (Seite 4). Silvester bietet die Gelegenheit, einen Schlussstrich zu ziehen. Warum nicht zum Jahresende in der säkularisierten Dunkelheit ein missionarisches Licht anzünden? Diesen Sonntag begeht die katholische Kirche in Deutschland als Familiensonntag. Sein Thema widmet sich der katechetischen Großbaustelle Ehevorbereitung. „Für immer zusammen – Auf dem Weg zur sakramentalen Ehe“ lautet das Motto, mit dem sich Diözesen, Gemeinden, Verbände und kirchliche Einrichtungen befassen sollen. Nicht nur die vielerorts brachliegende Vorbereitung auf die sakramentale Ehe signalisiert, dass sich die Kirche in puncto Sakramentenseelsorge etwas einfallen lassen muss. Grundsätzlich geht es darum, dass Wortmeldungen aus katholischen Reihen zu diesem Thema öffentlich durchdringen. Die medialen Prioritäten bringen es mit sich, dass bischöfliche Äußerungen zum Stichwort Familie fast nur noch im Zusammenhang mit der Debatte um den Familiennachzug von Asylbewerbern und der Haltung katholischer Christen zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auftauchen. Auch innerhalb der Bischofskonferenz selbst gibt es die Tendenz, unpopuläre weil dogmatisch ausgerichtete Äußerungen dem Familienbischof zu überlassen.

    Doch soviel Selbstzensur hat keine Zukunft. Die überwältigende Mehrheit der Jungen strebt die traditionelle Ehe an. Auch wenn gesellschaftlicher Druck auf den Bischöfen lastet, ihr Eheverständnis dem Mainstream anzupassen, haben die Menschen ein Recht auf den Kern der Botschaft.

    Besuche in Asylbewerberheimen und Treffen mit Homosexuellen tragen Hirten zwar mehr mediales Wohlwollen ein als ein Engagement in der Ehevorbereitung. Doch die Glaubwürdigkeit der Kirche steht und fällt mit Ehe- und Familienfragen – zumal in Zeiten, da das Glaubenswissen der Unter-Dreißigjährigen dramatisch gering ist. Die Treue zur biblischen Schöpfungsordnung mag ökumenische Enttäuschungen nach sich ziehen, doch es gibt keine katholische Alternative. Wer die Wahrheit des Evangeliums verkünden will, kann über die Ehevorbereitung nicht schweigen. Für viele, deren religiöse Erziehung vernachlässigt wurde, ist die Zeit vor der Trauung die größte Chance, einem langen gottfernen Leben zu entrinnen.

    Von Regina Einig

    Weitere Artikel