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    Im Blickpunkt: Warum so kleinmütig?

    Einiges spricht dafür, dass Papst Benedikt so schnell nicht mehr seine deutsche Heimat besuchen wird. Und noch mehr spricht dafür, dass die Deutschen einige Jahrhunderte werden warten müssen, bis sie wieder einen Papst aus den Reihen der eigenen Nation erhalten. Und alles spricht dafür, dass der Besuch Benedikts zu einem großen Ereignis wird. So wie es vor kurzem in Venedig – statt der erwarteten Einhunderttausend kamen Dreihunderttausend zum feierlichen Gottesdienst – der Fall war und heute und morgen in Kroatien der Fall sein wird. Das Interesse, beim Papstbesuch dabei zu sein, sei schon erstaunlich, meinte jetzt auch Bischof Joachim Wanke mit Blick auf die Papstvisite in seinem Bistum Erfurt. Er wundere sich manchmal, wer da alles anfrage, darunter seien auch viele, die der Kirche fern stünden.

    Papst Benedikt XVI. besucht im September Deutschland. Foto: dpa

    Einiges spricht dafür, dass Papst Benedikt so schnell nicht mehr seine deutsche Heimat besuchen wird. Und noch mehr spricht dafür, dass die Deutschen einige Jahrhunderte werden warten müssen, bis sie wieder einen Papst aus den Reihen der eigenen Nation erhalten. Und alles spricht dafür, dass der Besuch Benedikts zu einem großen Ereignis wird. So wie es vor kurzem in Venedig – statt der erwarteten Einhunderttausend kamen Dreihunderttausend zum feierlichen Gottesdienst – der Fall war und heute und morgen in Kroatien der Fall sein wird. Das Interesse, beim Papstbesuch dabei zu sein, sei schon erstaunlich, meinte jetzt auch Bischof Joachim Wanke mit Blick auf die Papstvisite in seinem Bistum Erfurt. Er wundere sich manchmal, wer da alles anfrage, darunter seien auch viele, die der Kirche fern stünden.

    Das ist kein Wunder. Ein Deutscher auf dem Stuhl des heiligen Petrus, das ist ein Pfund, mit dem die Kirche in Deutschland nur wuchern kann. Zumal Umfragen gezeigt haben, dass Benedikt XVI. bei der deutschen Bevölkerung ein größeres Vertrauen genießt als die Amtskirche, die ihn nun empfängt.

    Aber schon der irrwitzige Gedanke am Anfang der Planungen des Berlinaufenthalts, den Papst dort in eine Hinrichtungsstätte wegzusperren, ließ den Verdacht aufkommen, dass zwar nicht die Deutschen und die Berliner, aber die kirchlichen Planer der Visite auf deutscher Seite kein Gespür dafür aufbringen, was man aus dem Besuch des Oberhaupts der größten Religionsgemeinschaft der Welt in der Bundeshauptstadt alles machen könnte. Kaum war es möglich, über Internet Karten für die Messe mit dem Papst zu bestellen, schnellten die Zahlen steil nach oben. Nicht nur Kirchgänger und nicht nur Katholiken wollen in Berlin Benedikt XVI. sehen.

    Und dann das Gerangel um den „Schauplatz Charlottenburg“. Nur Dreißigtausend hätten dort vor dem Schloss freien Blick auf den Altar, für die Zigtausende müssten Videowände her. Bäume nehmen die Sicht – ob das Absicht ist? Aber Berlin hätte doch Plätze – etwa vor dem Brandenburger Tor – oder ein Stadion, wo alle ungehindert zuschauen können. Auch die Katholiken aus Polen, die – natürlich ohne Anmeldung – Benedikt XVI. mit ihrer persönlichen Anwesenheit dafür danken wollen, dass dieser am 1. Mai ihren Lolek seliggesprochen hat. Zwar hat der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, jetzt in Rom erklärt, Charlottenburg sei kein Dogma und er sei auch offen für einen anderen Ort, aber es scheint bei den deutschen Planern niemand zu geben, der „Schluss mit dem kleinmütigen Gerangel!“ sagt. Das wäre mal ein katholisch-zuversichtliches Wort.