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    Im Blickpunkt: Rom, Israel und die Juden

    Schon während des Kriegs gegen die Hamas im Gaza-Streifen hat sich der Schulterschluss gezeigt: Angesichts der internationalen Kritik an den schweren Bombardierungen, die 1 300 Menschen das Leben kosteten, rückten jüdische Gemeinden und der israelische Staat enger aneinander. In Rom gingen die Juden mit ihrem Oberrabbiner und israelischen Fahnen auf die Straßen. Vertreter des Staats Israel und Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaften verwandten die gleichen Worte und Argumente. Eine klare Grenzziehung zwischen Politik und Religion war kaum noch zu erkennen.

    Schon während des Kriegs gegen die Hamas im Gaza-Streifen hat sich der Schulterschluss gezeigt: Angesichts der internationalen Kritik an den schweren Bombardierungen, die 1 300 Menschen das Leben kosteten, rückten jüdische Gemeinden und der israelische Staat enger aneinander. In Rom gingen die Juden mit ihrem Oberrabbiner und israelischen Fahnen auf die Straßen. Vertreter des Staats Israel und Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaften verwandten die gleichen Worte und Argumente. Eine klare Grenzziehung zwischen Politik und Religion war kaum noch zu erkennen.

    Für den Vatikan ist das eine Schwierigkeit. Rom will die volle Aussöhnung mit den Juden. Liebevoll nannte sie Benedikt XVI. in der jüngsten Generalaudienz „unsere Brüder, die Träger des ersten Bundes“. Man erwartet, dass der deutsche Papst in absehbarer Zeit die römische Synagoge besucht, um wie in Auschwitz oder Köln und wie seine Vorgänger zu bekräftigen, dass die katholische Kirche fest entschlossen ist, Restbestände des Antisemitismus und Antijudaismus in ihren Reihen auszumerzen. Die Distanzierungen von den unmöglichen Äußerungen des englischen Lefebvre-Bischofs waren absolut klar und unzweideutig.

    Anders verhält es sich mit dem Staat Israel, mit dem der Vatikan 1993 einen Grundlagenvertrag abgeschlossen hat, ohne dass beide Seiten ihre eigentlichen Hausaufgaben gemacht hätten: Wesentliche Fragen im Verhältnis zwischen jüdischen Staat und katholischer Kirche blieben damals ungeklärt. Da geht es auch um Geld, so etwa bei den Steuerprivilegien, die kirchliche Einrichtungen im Heiligen Land seit Jahrhunderten genießen, die Israel aber nicht mehr verlängern will. Auch wünscht man sich in Rom, dass die Gedenkstätte Yad Vashem das Bild von Papst Pius XII. aus der „Halle der Schande“ entfernt. Und als der Gaza-Krieg ausbrach, hat Benedikt XVI. nicht nur an die Hamas, sondern auch Israel appelliert, von der Logik der Gewalt abzulassen. Und nicht nur die Palästinenser, sondern auch die Israelis hat er aufgerufen, Regierende zu wählen, die bereit sind, den einzig möglichen Weg, den der Versöhnung zu gehen.

    Wenn sich in den Gefühlen der jüdischen Welt Politik und Religion vermischen, wird das Feld des Dialogs zu einem verminten Gelände. Aber genau das will der Papst beschreiten, weil ihm die Aussöhnung mit den Juden so wichtig ist. Ein wahrer Dienst. Der Plan einer Reise Benedikts XVI. ins Heilige Land und damit auch nach Israel ist nicht vom Tisch. Empörung hilft nicht weiter. Miteinander reden ist jetzt wichtig. Guido Horst