• aktualisiert:

    Im Blickpunkt: Orthodoxie in konziliaren Nöten

    Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat angesichts der Absagen, Erpressungen und Drohungen kurz vor Beginn des „Heiligen und Großen Konzils“ der weltweiten Orthodoxie auf Kreta nicht resigniert. Bartholomaios hält an dem fest, was er „unsere historische Mission“ sowie „unsere heilige Mission“ nennt. Er hat die Zeichen der Zeit verstanden, die Folgen der Globalisierung wie der Säkularisierung, die längst auch die Stammländer der Orthodoxie erfasst hat. Deshalb setzt er auf die zeichenhafte Einheit der vielen orthodoxen Kirchen, auf den ökumenischen Dialog, auf das Gespräch mit den Entscheidungsträgern der Welt, auf globale Antworten zu globalen Problemen. Auf der anderen Seite gibt es orthodoxe Kirchen, denen die Rangordnung untereinander, die Harmonie mit dem Autokraten des je eigenen Landes oder die Nachbarschaftsstreitigkeiten wichtiger sind. Sie wollen vom Dialog mit nicht-orthodoxen Kirchen nichts wissen, und den Dialog mit der säkularen Welt wagen sie erst gar nicht.

    Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat angesichts der Absagen, Erpressungen und Drohungen kurz vor Beginn des „Heiligen und Großen Konzils“ der weltweiten Orthodoxie auf Kreta nicht resigniert. Bartholomaios hält an dem fest, was er „unsere historische Mission“ sowie „unsere heilige Mission“ nennt. Er hat die Zeichen der Zeit verstanden, die Folgen der Globalisierung wie der Säkularisierung, die längst auch die Stammländer der Orthodoxie erfasst hat. Deshalb setzt er auf die zeichenhafte Einheit der vielen orthodoxen Kirchen, auf den ökumenischen Dialog, auf das Gespräch mit den Entscheidungsträgern der Welt, auf globale Antworten zu globalen Problemen. Auf der anderen Seite gibt es orthodoxe Kirchen, denen die Rangordnung untereinander, die Harmonie mit dem Autokraten des je eigenen Landes oder die Nachbarschaftsstreitigkeiten wichtiger sind. Sie wollen vom Dialog mit nicht-orthodoxen Kirchen nichts wissen, und den Dialog mit der säkularen Welt wagen sie erst gar nicht.

    Bartholomaios hat recht diplomatisch die Verantwortung jener benannt, die das Panorthodoxe Konzil boykottieren. Sein Pressesprecher hat weniger diplomatisch davon gesprochen, dass „eine Minderheit die ethnische Isolation wünscht“. Die leidvolle Erfahrung der kommunistischen Zeit mag dazu beigetragen haben, ist aber keine Entschuldigung dafür, dass einige orthodoxe Kirchen sich als Parallelgesellschaft in einer sozialen Nische einrichten und – blind für die Stürme des Säkularismus ringsum – ihr „kanonisches Territorium“ verteidigen, indem sie den Nationalismus auf ihre Fahnen heften. Für die russische Orthodoxie, die jetzt innerorthodox die Muskeln spielen lässt, sollte die Neuevangelisierung Russlands nach 74 Jahren kommunistischer Verelendung eigentlich wichtiger sein als der demonstrative Gleichklang mit Präsident Putin. Würde das Moskauer Patriarchat auf die Harmonie mit dem Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie ebenso viel Wert legen wie auf jene mit dem Herrn im Kreml, so wäre das Panorthodoxe Konzil jetzt nicht in solchen Nöten.

    Ein sonderbares Machtspiel spielt auch Serbiens Orthodoxie: Nachdem sie die umfassendste Kritik an den Vorbereitungen des Konzils übte, nimmt sie nun überraschend doch teil – verbunden mit einer Reihe von Erpressungen: So will die serbische Delegation Kreta verlassen, wenn das Konzil die aufgeworfenen Streitfragen ausklammert. Da kann schon der Verdacht aufkommen, dass die Serben nur teilnehmen, um ganz sicher zu sein, dass das Konzil auch scheitert.
    Siehe auch Interviews auf Seite 5.