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    Im Blickpunkt: Mehr als Sozialarbeit

    Der jüngste Erlass des Vatikans bindet Caritas Internationalis stärker an den Heiligen Stuhl. Eine Zäsur ist das nicht, auch wenn die Neuordnung bereits Widerspruch erregt hat (Seite 4). Der Vatikan setzt damit nur seinen vor acht Jahren eingeschlagenen Kurs fort. 2004 war Caritas Internationalis kirchenrechtlich dem Päpstlichen Rat „Cor Unum“ zugeordnet worden mit dem Ziel, das katholische Profil der Organisation zu stärken. Unmittelbare Folgen für die nationalen und diözesanen Verbände haben die neuen Statuten nicht. Doch darf man sie durchaus als diskreten Wink aus der Ewigen Stadt an die Ortskirchen verstehen, ihre Hausaufgaben zu machen. Caritas ist für die Kirche Teil ihrer Mission, hat Kardinal Maradiaga, Präsident von Caritas Internationalis, unterstrichen. Es geht um Sendung und Berufung. Das ist mehr als Sozialarbeit im landläufigen Sinn.

    Der jüngste Erlass des Vatikans bindet Caritas Internationalis stärker an den Heiligen Stuhl. Eine Zäsur ist das nicht, auch wenn die Neuordnung bereits Widerspruch erregt hat (Seite 4). Der Vatikan setzt damit nur seinen vor acht Jahren eingeschlagenen Kurs fort. 2004 war Caritas Internationalis kirchenrechtlich dem Päpstlichen Rat „Cor Unum“ zugeordnet worden mit dem Ziel, das katholische Profil der Organisation zu stärken. Unmittelbare Folgen für die nationalen und diözesanen Verbände haben die neuen Statuten nicht. Doch darf man sie durchaus als diskreten Wink aus der Ewigen Stadt an die Ortskirchen verstehen, ihre Hausaufgaben zu machen. Caritas ist für die Kirche Teil ihrer Mission, hat Kardinal Maradiaga, Präsident von Caritas Internationalis, unterstrichen. Es geht um Sendung und Berufung. Das ist mehr als Sozialarbeit im landläufigen Sinn.

    Welche schmerzhaften Folgen es nach sich zieht, wenn die „unterscheidende Identität“ im sozialen Engagement der Katholiken aus dem Bewusstsein gerät, hat der Vatikan kürzlich nach Abschluss der Visitation der amerikanischen Frauenorden dokumentiert. Der Preis für die im Abschlussbericht der Visitatoren beanstandeten „weitreichenden Abweichungen von der Lehre“ ist hoch: In gesellschaftspolitischen Fragen wie Lebensschutz oder Bioethik sprechen katholische Verbände und Orden in den Vereinigten Staaten derzeit nicht mit einer Stimme. So spaltet etwa die umstrittene Gesundheitspolitik der Regierung Obama derzeit die Gläubigen. Die Erfahrungen des Heiligen Stuhls während des jahrzehntelangen Konflikts mit den amerikanischen Ordensoberinnen legen nahe, sich mit ähnlich gelagerten Rissen bei Caritas Internationalis zeitig zu befassen. Daher muss sich der Vatikan durch die Beschwerden amerikanischer Ordensfrauen über die mangelnde Kirchlichkeit ihrer Oberinnen zum zügigen Handeln veranlasst sehen. Auch sind Dachverbände besonders anfällig für Abspaltungen: Kaum waren vier Bischöfe mit der Reform des Dachverbandes der amerikanischen Frauenorden LCWR beauftragt worden, regte eine der führenden Vertreterinnen an, diesen lieber kirchenrechtlich aufzuheben und in einer bürgerlichen Interessengruppe aufgehen zu lassen. Solche Debatten schrecken ab – vielleicht auch junge Menschen, die sich zur caritativen Tätigkeit in der Kirche berufen fühlen. Wer würde für den Dienst am Nächsten bewusst ein Leben riskieren, das der amerikanische Papstbiograf George Weigel einmal als „Gang ins psychologische Schisma“ bezeichnet hat?