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    Im Blickpunkt: Franziskus auf vermintem Terrain

    Die beiden Kaukasus-Reisen des Papstes, der im Juni Armenien besuchte und sich in diesen Tagen in Georgien und Aserbaidschan aufhält, können als Einheit gesehen werden: In allen drei einstigen Sowjetrepubliken bildet die katholische Kirche eine kleine Minderheit; alle drei Staaten leiden nicht nur unter dem Erbe der roten Tyrannei, sondern auch unter Krieg und Nachbarschaftskonflikten. Nur pastoral betrachtet ist der Papstbesuch bei der kleinen Herde der Katholiken des lateinischen, armenischen und chaldäischen Ritus in Georgien und bei der nur wenige hundert Katholiken zählenden Gemeinde in Baku kaum erklärbar. Wieder einmal geht Franziskus an die Peripherie: in Georgien an jene der Orthodoxie, denn die selbstbewusste, betont nationale georgisch-orthodoxe Kirche will von Ökumene nichts wissen. Trotz der sprichwörtlichen georgischen Gastfreundschaft muss sich der Papst hier wohl als Eisbrecher betätigen. Der alte und kranke georgisch-orthodoxe Patriarch Elias II., der dem Papst das gemeinsame Gebet verweigert, soll – wie im Lande zu hören ist – da noch der angenehmste Gesprächspartner sein. Er muss sich selbst mit fundamentalistischen Mönchen und Gruppen orthodoxer Hardliner herumschlagen.

    Die beiden Kaukasus-Reisen des Papstes, der im Juni Armenien besuchte und sich in diesen Tagen in Georgien und Aserbaidschan aufhält, können als Einheit gesehen werden: In allen drei einstigen Sowjetrepubliken bildet die katholische Kirche eine kleine Minderheit; alle drei Staaten leiden nicht nur unter dem Erbe der roten Tyrannei, sondern auch unter Krieg und Nachbarschaftskonflikten. Nur pastoral betrachtet ist der Papstbesuch bei der kleinen Herde der Katholiken des lateinischen, armenischen und chaldäischen Ritus in Georgien und bei der nur wenige hundert Katholiken zählenden Gemeinde in Baku kaum erklärbar. Wieder einmal geht Franziskus an die Peripherie: in Georgien an jene der Orthodoxie, denn die selbstbewusste, betont nationale georgisch-orthodoxe Kirche will von Ökumene nichts wissen. Trotz der sprichwörtlichen georgischen Gastfreundschaft muss sich der Papst hier wohl als Eisbrecher betätigen. Der alte und kranke georgisch-orthodoxe Patriarch Elias II., der dem Papst das gemeinsame Gebet verweigert, soll – wie im Lande zu hören ist – da noch der angenehmste Gesprächspartner sein. Er muss sich selbst mit fundamentalistischen Mönchen und Gruppen orthodoxer Hardliner herumschlagen.

    Mit Aserbaidschan besucht Papst Franziskus am Sonntag ein mehrheitlich muslimisches, von der Schia geprägtes und vom Iran wie von der Türkei beeinflusstes Land. Hier wird er nicht nur neuerlich den schwieriger gewordenen christlich-islamischen Dialog pflegen, sondern auch eine Friedensbotschaft platzieren. Aserbaidschan befindet sich mit dem westlichen Nachbarn Armenien nach wie vor im Kriegszustand. Im April kam es zu einem blutigen Wiederaufflammen der alten Kämpfe um die Region von Berg-Karabach. Der Streit um die staatsrechtlich zu Aserbaidschan gehörende, jedoch armenisch bewohnte Region ist weit von einer Lösung entfernt. Doch auch das politisch heute ganz nach Westen orientierte Georgien sehnt sich nach Recht und nach Frieden: Mit Abchasien und Süd-Ossetien sind gut 20 Prozent seines Staatsgebiets faktisch von Russland kontrolliert – und die Russen dehnen die süd-ossetischen Grenzen ständig weiter nach Süden aus. Kein Wunder, dass die vatikanische Regie „Pax vobis“ (Friede sei mit Euch) als Leitwort für den Besuch in Georgien, und „Wir sind alle Brüder“ als Motto für die kurze Visite in Aserbaidschan gewählt hat. Der Kaukasus ist ein Schmelztiegel vieler Völker, jedoch zerrissen von Nationalismen und widerstrebenden Interessen. Als Friedensbote und selbstloser Bruder aller kann Franziskus hier starke Akzente setzen.