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    Im Blickpunkt: Ein Kämpfer für Religionsfreiheit

    Wer meinte, Benedikt XVI. sei im interreligiösen Dialog zurückhaltender als sein Vorgänger, muss umdenken. In Washington hat der Papst ein kraftvolles Zeugnis abgelegt: für die Religionsfreiheit, für den Dialog zwischen den Religionen und für den spezifischen Beitrag der Christen in diesem Dialog, also für Christus, „den ewigen Logos, der Fleisch wurde, um den Menschen mit Gott zu versöhnen“.

    Wer meinte, Benedikt XVI. sei im interreligiösen Dialog zurückhaltender als sein Vorgänger, muss umdenken. In Washington hat der Papst ein kraftvolles Zeugnis abgelegt: für die Religionsfreiheit, für den Dialog zwischen den Religionen und für den spezifischen Beitrag der Christen in diesem Dialog, also für Christus, „den ewigen Logos, der Fleisch wurde, um den Menschen mit Gott zu versöhnen“.

    Anders als im weithin säkularisierten Europa schätzt die amerikanische Gesellschaft den Beitrag der Glaubensgemeinschaften, und der Papst bestärkte sie darin. Die Zusammenarbeit der Religionen bereichere das öffentliche Leben mit ethischen Werten. Die Welt bettele um dieses gemeinsame Zeugnis. Zwar sparte der Papst nicht mit Lob für die amerikanische Gesellschaft, doch mahnte er auch, dass die Aufgabe der Bewahrung der Religionsfreiheit als grundlegendem Menschenrecht nie zuende ist. Er weitete den Blick über Amerika hinaus, als er die Anhänger aller Religionen aufrief, „in der Verteidigung und im Einsatz für das Leben und für Religionsfreiheit überall zusammenzustehen“.

    Den Vertretern der Religionen rief der Papst ihre Verantwortung in Erinnerung: Zeugnis für die sittlichen Wahrheiten zu geben, dem Frieden und der Gerechtigkeit zu dienen, die Kinder zu lehren, was richtig, gut und vernünftig ist. Doch ist Benedikt XVI. kein Kind der Aufklärung, die Religion gerade noch als Mittel zur Erziehung von Kindern und Untertanen akzeptierte. Der Papst besteht darauf, dass es das letzte Ziel des interreligiösen wie interkulturellen Dialogs und der ihn ermöglichenden Religionsfreiheit ist, „die Wahrheit zu entdecken“. Er besteht weiter darauf, dass der zentrale Beitrag der Christen in diesem Dialog die Person Jesu ist: Christus zu bekennen als den Logos der Schöpfung, als Schlüssel zum Verstehen von Gott und Welt, als Sinn der Geschichte als Ganzer und jedes einzelnen Menschenlebens – das ist, was gläubige Christen zur Sinnsuche der Menschheit beitragen.

    So konnte der Papst in einem Gruß zum jüdischen Pessach mit dem biblischen Bild der endzeitlichen Völkerwallfahrt zum Zion die Aussage verbinden, dass diese Perspektive universaler Brüderlichkeit den Christen ermögliche, an der Seite der Juden „das Pascha des Todes und der Auferstehung Christi“ zu feiern. Deshalb auch bekannte er vor 150 Vertretern von Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus jene Wahrheit, die die grundlegende Beziehung zwischen Gott und der Welt enthüllt.

    Stephan Baier