• aktualisiert:

    Im Blickpunkt: Dilemma in Hildesheim

    Eine undankbarere Situation als im Bistum Hildesheim scheint kaum denkbar: Für die Missbrauchsvorwürfe gegen den 1988 verstorbenen Bischof Janssen fehlen Beweise. Das Bistum hat sich korrekt an die Vorgaben der Bischofskonferenz gehalten und steht nun im Regen: Weil es den Wunsch des mutmaßlichen Opfers nach absoluter Vertraulichkeit respektierte, schieden umfangreiche Recherchen und offene Kommunikation aus. Gezahlt wurde in aller Stille in Anerkennung des Leids. Ein Schuldanerkenntnis ist das nicht.

    Eine undankbarere Situation als im Bistum Hildesheim scheint kaum denkbar: Für die Missbrauchsvorwürfe gegen den 1988 verstorbenen Bischof Janssen fehlen Beweise. Das Bistum hat sich korrekt an die Vorgaben der Bischofskonferenz gehalten und steht nun im Regen: Weil es den Wunsch des mutmaßlichen Opfers nach absoluter Vertraulichkeit respektierte, schieden umfangreiche Recherchen und offene Kommunikation aus. Gezahlt wurde in aller Stille in Anerkennung des Leids. Ein Schuldanerkenntnis ist das nicht.

    Und zweifellos hat der Versuch des mutmaßlichen Opfers, mehr Geld vom Bistum zu erhalten und selbst die Vereinbarung strikter Vertraulichkeit zu brechen, seiner Glaubwürdigkeit geschadet. Endgültig klären lässt sich dieser Fall allerdings nicht. Die Vorwürfe wiegen schwer; die eidesstattliche Erklärung des mutmaßlichen Opfers ist zwar ein Gewicht in der Waagschale, aber eben kein stichhaltiger Beweis.

    Der Fall hat einen Keil zwischen die Bevölkerung getrieben. Schon jetzt bindet die Diskussion, wie mit dem verstorbenen Bischof umgegangen wird, Zeit und Energie, die eigentlich für die kirchliche Arbeit gebraucht werden. Wächst sich der Fall zum Spaltpilz aus zwischen jenen, die dem mutmaßlichen Opfer Glauben schenken und Bischof Janssens Verteidigern, dient das dem Ansehen des Verstorbenen nicht. Im Gegenteil. Sein Name wird künftig mit einem handfesten Streit in Hildesheim verbunden werden. Das Instrumentarium der weltlichen Justiz ist begrenzt. Auch ein Glaubwürdigkeitsgutachten des mutmaßlichen Opfers dürfte jene nicht überzeugen, die sich der Redlichkeit Bischof Janssens sicher sind. Für Christen zählt, dass Verstorbene kein weltliches Urteil zu befürchten haben, und ein guter Hirte die Spaltung seiner Herde nicht befürworten könnte. Hier ist Augenmaß gefragt.

    Klug reagiert hat der Bürgermeister von Kevelaer, der es ablehnte, dem Bischof die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen, solange Beweise für die Vorwürfe fehlen. So nimmt man der öffentlichen Empörungsroutine gegen die Kirche den Wind aus den Segeln. Klug gehen auch jene Gläubigen vor, die Konsequenzen ziehen aus sensationsheischenden Medienberichten und sich an die Verantwortlichen wenden oder presserechtlich vorgehen. Wenn bei allen Vorwürfen auch das Gute, das Bischof Janssen in seiner Diözese getan hat, häufiger erwähnt wird, zeigt das zumindest, dass neben der öffentlichen Schwarzmalerei auch anders mit dem Fall umgegangen werden kann.

    Von Regina Einig