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    Im Blickpunkt: Die vergebene Chance

    Nicht wenige Zeitgenossen betrachten es als Affront, dass die katholische Kirche es noch immer wagt, anders und Anderes zu denken als die säkulare Welt. Dabei wird leicht übersehen, dass der Stachel, den das Denken der Kirche im Fleisch der Welt bildet, diese oft auch nur deshalb so schmerzt, weil sie das Denken auf einigen ihrer Baustellen längst eingestellt hat und es vorzieht, sich stattdessen von einem Erregungszustand zum nächsten treiben zu lassen. In der Masse der Orientierungslosen muss der Besitzer eines Kompasses wie ein Außerirdischer wirken.

    Nicht wenige Zeitgenossen betrachten es als Affront, dass die katholische Kirche es noch immer wagt, anders und Anderes zu denken als die säkulare Welt. Dabei wird leicht übersehen, dass der Stachel, den das Denken der Kirche im Fleisch der Welt bildet, diese oft auch nur deshalb so schmerzt, weil sie das Denken auf einigen ihrer Baustellen längst eingestellt hat und es vorzieht, sich stattdessen von einem Erregungszustand zum nächsten treiben zu lassen. In der Masse der Orientierungslosen muss der Besitzer eines Kompasses wie ein Außerirdischer wirken.

    Daher ist es nur allzu verständlich, dass die Kinder dieser Welt der Kirche gegenüber, die auch Mutter sein will, immer wieder fremdeln. Nachvollziehbar ist auch, dass die Kirche mit solchen Kindern bisweilen ihre liebe Not hat. Wie bei einer echten Mutter, so drohen in solchen Situationen auch in der Brust der Kirche mitunter zwei Herzen zu schlagen. Das eine, das sich gedrängt fühlt, dem Kind, das es liebt, zu dessen eigenem Besten orientierend den Weg aufzuzeigen und das andere, das sich danach sehnt, dem Kind Anerkennung und Annahme signalisieren zu können und – wer wollte dies leugnen – wohl auch selbst zu erfahren. Es wäre sicher interessant, einmal der Frage nachzugehen, wie viele innerkirchliche Konflikte sich letztlich darauf zurückführen lassen, dass diese Spannung nicht ausgehalten und einseitig zu Gunsten der einen oder der anderen Herzkammer aufgelöst wird.

    Auch die Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID), die die Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung verabschiedet haben – die einzige übrigens die tatsächlich einstimmig beschlossen wurde – bezeugt einen solchen Konflikt. Freilich weniger durch ihren tatsächlichen Wortlaut, als vielmehr durch das, was in ihr nicht zur Sprache kommt. Mit keinem Wort erwähnen die Bischöfe nämlich darin, dass bereits die künstliche Befruchtung, die jeder PID notwendig vorausgeht, mit der Lehre der Kirche und ihrem Verständnis der Menschenwürde unvereinbar ist.

    Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dies eigens zu betonen sei nicht notwendig, gehe es in der aktuellen Debatte doch ausschließlich um die PID. Wer so argumentiert, übersieht, dass alle anderen ihre Stellungnahmen längst abgegeben haben und in der Erklärung der Bischöfe nichts steht, was man nicht auch schon andernorts lesen konnte. Medienprofis wissen, dass so ein Thema zu einem Nichtthema gemacht wird. Ob das übersehen oder gar gewollt wurde, ist beinahe unwichtig. Wichtiger ist: Es wäre wenig mütterlich, den Kindern aus Angst vor Liebesentzug nur noch mitzuteilen, was sie bereits wissen.

    Von Stefan Rehder