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    Im Blickpunkt: Die Fundamente neu gießen

    In Rom ist bereits von einem Strategiewechsel die Rede: Weder hat Papst Franziskus beim Lebensschutz-Tag im „Jahr des Glaubens“ Abtreibung und Euthanasie gegeißelt, noch schleudert er Pfeile in die Richtung der italienischen Regierungsmehrheit, in der mancher das niederreißen möchte, was die Kirche des Landes „die nicht verhandelbaren Werte“ nennt. Doch wer hier ein Schweigen erkennen möchte, irrt. Franziskus macht genau das, was auch sein Vorgänger tat. Auch Benedikt XVI. hat sich in Fragen der Sittenlehre zurückgehalten. Hin und wieder hat er sie angesprochen, aber der übergroße Teil seiner Verkündigung galt Jesus Christus und der Heilsbotschaft des Evangeliums. Franziskus wird dasselbe tun – und tut es bereits. Er geht von der ungeheuren Positivität des Glaubens aus, auf dem die Lehre der Kirche gründet, auf dem Einbruch Gottes in die Geschichte der Menschheit, der ein Einbruch der göttlichen Liebe ist. Die Ouvertüre dazu, oder der Startschuss, ist jetzt die Enzyklika „Lumen fidei“.

    In Rom ist bereits von einem Strategiewechsel die Rede: Weder hat Papst Franziskus beim Lebensschutz-Tag im „Jahr des Glaubens“ Abtreibung und Euthanasie gegeißelt, noch schleudert er Pfeile in die Richtung der italienischen Regierungsmehrheit, in der mancher das niederreißen möchte, was die Kirche des Landes „die nicht verhandelbaren Werte“ nennt. Doch wer hier ein Schweigen erkennen möchte, irrt. Franziskus macht genau das, was auch sein Vorgänger tat. Auch Benedikt XVI. hat sich in Fragen der Sittenlehre zurückgehalten. Hin und wieder hat er sie angesprochen, aber der übergroße Teil seiner Verkündigung galt Jesus Christus und der Heilsbotschaft des Evangeliums. Franziskus wird dasselbe tun – und tut es bereits. Er geht von der ungeheuren Positivität des Glaubens aus, auf dem die Lehre der Kirche gründet, auf dem Einbruch Gottes in die Geschichte der Menschheit, der ein Einbruch der göttlichen Liebe ist. Die Ouvertüre dazu, oder der Startschuss, ist jetzt die Enzyklika „Lumen fidei“.

    Wenn eine christliche Gesellschaft allmählich ihren Glauben verliert, wird das Pochen auf dem christlichen Menschenbild zum hohlen Getöse. Wenn die Diktatur des Relativismus mehr und mehr die Oberhand gewinnt – siehe die Ehe-Orientierung der orientierungslosen evangelischen Kirche in Deutschland –, dann wird es sinnlos, das einstmals christlich-abendländische Pferd nochmals von hinten aufzuzäumen und auf das christliche Erbe zu pochen. Dann muss man zurück zu den Wurzeln, dann muss das Fundament neu gegossen werden. Das war die letzte Arbeit von Benedikt XVI., als er die Glaubens-Enzyklika entwarf – und damals auch der Antrieb, in einem dreibändigen Werk die Figur Jesu Christi neu aufstrahlen zu lassen. Und das ist auch das erste Werk von Franziskus und liegt seit gestern auf dem Tisch: Die Enzyklika „der vier Hände“ über den Glauben.

    Das Schreiben ist eine knappe Zusammenfassung der eigentlichen Natur des christlichen Glaubens und der Gründe dafür, warum es auch heute vernünftig ist, sein Leben nach den Lebensvollzügen der Kirche ausrichten. Der Glaube, so die Enzyklika, ist kein menschliches Konstrukt, keine Ideologie, keine Ansammlung von Doktrinen einer religiösen Institution. Er nahm seinen Anfang, als Abraham und Moses den liebenden und fürsorgenden Gott erkannten, der dann in Jesus Christus ein Angesicht und Gestalt annahm. Der Glaube kommt von außen, nicht aus dem Kopf eines genialen, aber menschlichen Genies. Und dass man sich auch heute noch auf die unendliche Liebe Gottes einlassen kann, das formuliert „Lumen fidei“.