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    Im Blickpunkt: Der Papst des Volkes

    Wer kann sich schon erinnern, einen Papst je im römischen Circus Maximus gesehen zu haben? Diese – zumindest neuzeitliche – Premiere findet heute Abend statt, wenn Franziskus mit der katholischen Charismatischen Erneuerung das fünfzigjährige Bestehen feiert. Sie entstand 1967 in den Vereinigten Staaten. Es ist eine Veranstaltung ganz nach dem Geschmack des Papstes. Dreißigtausend Charismatiker aus 130 Ländern werden erwartet, darunter sechshundert Priester und fünfzig Bischöfe. Aber auch dreihundert führende Vertreter der protestantischen Variante der Charismatiker hat man eingeladen. Wo charismatische Treffen stattfinden, geht es immer sehr ökumenisch zu. Lehrfragen spielen keine Rolle, auch heute nicht in Rom, dafür die gemeinschaftlichen Erfahrungen, unter dem Heiligen Geist zu stehen.

    Wer kann sich schon erinnern, einen Papst je im römischen Circus Maximus gesehen zu haben? Diese – zumindest neuzeitliche – Premiere findet heute Abend statt, wenn Franziskus mit der katholischen Charismatischen Erneuerung das fünfzigjährige Bestehen feiert. Sie entstand 1967 in den Vereinigten Staaten. Es ist eine Veranstaltung ganz nach dem Geschmack des Papstes. Dreißigtausend Charismatiker aus 130 Ländern werden erwartet, darunter sechshundert Priester und fünfzig Bischöfe. Aber auch dreihundert führende Vertreter der protestantischen Variante der Charismatiker hat man eingeladen. Wo charismatische Treffen stattfinden, geht es immer sehr ökumenisch zu. Lehrfragen spielen keine Rolle, auch heute nicht in Rom, dafür die gemeinschaftlichen Erfahrungen, unter dem Heiligen Geist zu stehen.

    Franziskus hat die Charismatiker in Argentinien kennengelernt, aus anfänglicher Skepsis wurde Freundschaft – generell zu der Bewegung wie zu einzelnen Personen. Für heute Abend hat der Papst Pastor Giovanni Traettino eingeladen, wegen dem er im Sommer 2014 gleich zweimal die Stadt Caserta bei Neapel besucht hat: ein Mal die katholische Ortskirche, beim zweiten Mal die evangelikale Gemeinde des Pastors, mit dem der Papst seit längerem befreundet ist. Traettino war auch dabei, als Franziskus am 1. Juni 2014 mit der Charismatischen Erneuerung eine Versammlung im römischen Olympiastadion abgehalten hat, bei der er dann persönlich zu der heutigen Jubiläumsfeier eingeladen hat. So lässt der Abend heute eine Seite bei Papst Bergoglio aufleuchten, die dem Mitteleuropäer vielleicht am wenigsten verständlich ist. Er ist nicht nur Lateinamerikaner, Jesuit und dem Geist des heiligen Franziskus verbunden, sondern er ist auch Peronist beziehungsweise war der peronistischen Bewegung als junger Mann aktiv verbunden. So fremd und wirr der Peronismus einem Europäer vorkommen muss – dieser „dritte Weg“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus hatte einen linken und einen rechten Flügel, beide teilweise radikal und militant, man hat auch aufeinander geschossen –, so vereint beide die Wertschätzung für das Volk. Für Franziskus ist das eine „mystische Kategorie“. Die Peronisten gingen in die Schulen, in die Familien, in die sozialen Brennpunkte, wie Franziskus das tut. Heute Abend wird der Papst mit „seinem Volk“ zusammen sein. So wie er nicht müde wird, den Kontakt zu den „cartoneros“, den Müllsuchern zu halten. Auch in Santa Marta, wo er privat ebenfalls viele Evangelikale empfängt. Nicht die Theologie, sondern das Volk steht bei Papst Franziskus im Mittelpunkt seiner Pastoral.