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    Im Blickpunkt: Den Kompass neu ausrichten

    Mit der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt am Mittwoch eine kurze Atempause. Distanz zu ökumenischen Irritationen zu gewinnen ist auch notwendig. Denn die gemeinsamen Handlungsspielräume der Konfessionen sind insbesondere zwischen Katholiken und Protestanten während der vergangenen Jahrzehnte derart geschrumpft, dass man sich auf dem gesellschaftspolitischen Parkett mehr aneinander zu reiben als zu wärmen scheint. In Fragen des Lebensschutzes, der Bioethik sowie Ehe und Familie stehen katholische und evangelische Christen vor einem ökumenischen Scherbenhaufen. Was eint, sind hohe Kirchenaustrittszahlen und die Erfahrung, dass nur das profilierte Bekenntnis dem Verweltlichungsdruck von außen und auch zunehmend aus den eigenen Reihen standhält. Vor diesem Hintergrund kann die Gebetswoche für die Einheit der Christen wie ein Magnetberg wirken, der hilft, Wichtiges und Zweitrangiges vernünftig zu gewichten. Das Leitwort „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“ (2 Korinther 5, 14–20) zieht den Kompass von den Nebenschauplätzen weg und richtet ihn auf den Erlöser aus.

    Mit der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt am Mittwoch eine kurze Atempause. Distanz zu ökumenischen Irritationen zu gewinnen ist auch notwendig. Denn die gemeinsamen Handlungsspielräume der Konfessionen sind insbesondere zwischen Katholiken und Protestanten während der vergangenen Jahrzehnte derart geschrumpft, dass man sich auf dem gesellschaftspolitischen Parkett mehr aneinander zu reiben als zu wärmen scheint. In Fragen des Lebensschutzes, der Bioethik sowie Ehe und Familie stehen katholische und evangelische Christen vor einem ökumenischen Scherbenhaufen. Was eint, sind hohe Kirchenaustrittszahlen und die Erfahrung, dass nur das profilierte Bekenntnis dem Verweltlichungsdruck von außen und auch zunehmend aus den eigenen Reihen standhält. Vor diesem Hintergrund kann die Gebetswoche für die Einheit der Christen wie ein Magnetberg wirken, der hilft, Wichtiges und Zweitrangiges vernünftig zu gewichten. Das Leitwort „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“ (2 Korinther 5, 14–20) zieht den Kompass von den Nebenschauplätzen weg und richtet ihn auf den Erlöser aus.

    Diese Perspektive geht dem Lutherjahr bisher weitgehend ab, ungeachtet gegenteiliger Ankündigungen. Schaut man die einschlägigen Wortmeldungen an, so überlagern allzu viele Interessen das ökumenische Wunschbild eines Christusfestes, das Raum schafft für die Wahrheit des Evangeliums. Das Lutherjahr gleicht eher einem überfrachteten Boot, das unter der Last der Erwartungen zu kentern droht. Das Spektrum der Ansprüche reicht von Selbstkritik bis zu Banalität, es beinhaltet sowohl die selbstkritischen Reflexionen, die Landesbischöfin Ilse Junkermann den Protestanten ans Herz legt, als auch die etwas angestrengt wirkenden Bemühungen Margot Käßmanns, „Frauen bei Reformationsfeiern nicht zu vergessen“ und das finstere Bild des Reformators als Judenhasser und Macho in ein gefälligeres Licht zu tauchen.

    Vor dem Hintergrund der drohenden Auslöschung des orientalischen Christentums bedeutet die Einheit eine Schicksalsfrage. Ein weichgespülter Kuschelglaube, wie er hierzulande als ökumenischer Fortschritt gilt, stößt angesichts des Überlebenskampfes, den manche Kirchen und Denominationen im Nahen Osten führen, rasch an seine Grenzen. Mit der Woche für die Einheit der Christen hebt die Kirche das Licht auf den Scheffel, das Christen aller Konfessionen auch in scheinbar ausweglosen Situationen zur Verfügung steht: das Gebet.