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    Im Blickpunkt: Das fluide Lehramt

    Zu der „scharfen Kontroverse“ um das Papstschreiben zur Ehe- und Familiensynode, wie Kardinal Gerhard Müller schreibt, hat der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation ein Vorwort zu dem Buch des italienischen Philosophen Rocco Buttiglione beigesteuert, das jetzt in Italien erschienen ist. Es trägt den Titel „Freundschaftliche Antworten an die Kritiker von Amoris laetita“. Dass Buttiglione Papst Franziskus gegen den Vorwurf der Zweideutigkeit oder gar Häresie verteidigt, ist bekannt. Dass aber auch Kardinal Müller auf die Seite der Verteidiger des Papstes tritt, ist neu und hat dementsprechend für Erstaunen gesorgt. Wer nun aber das Vorwort Müllers liest, stellt fest, dass der Kardinal sich selbst treu geblieben ist, indem er wieder einmal das deutlich macht, was auch das Anliegen Buttigliones ist. Erstens: „Die dogmatischen Lehren und pastoralen Hinweise des achten Kapitels von ,Amoris laetitia“ können und müssen orthodox verstanden werden.“ Und zweitens: „,Amoris laetitia‘ bedeutet keine lehramtliche Kehrtwende zu einer Situationsethik und damit einen Widerspruch zur Enzyklika ,Splendor veritatis‘ von Papst Johannes Paul II.“ Das heißt, Müller legt das nachsynodale Schrieben eng aus, was viele Bischofskonferenzen bekanntlich nicht getan haben. Sie legen das Papstschreiben weit aus und öffnen Wiederverheirateten den Weg zum Empfang der Sakramente.

    Papst Franziskus
    Papst Franziskus, aufgenommen am 08.11.2017 in Vatikanstadt (Vatikan) bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Pe... Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire)

    Zu der „scharfen Kontroverse“ um das Papstschreiben zur Ehe- und Familiensynode, wie Kardinal Gerhard Müller schreibt, hat der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation ein Vorwort zu dem Buch des italienischen Philosophen Rocco Buttiglione beigesteuert, das jetzt in Italien erschienen ist. Es trägt den Titel „Freundschaftliche Antworten an die Kritiker von Amoris laetita“. Dass Buttiglione Papst Franziskus gegen den Vorwurf der Zweideutigkeit oder gar Häresie verteidigt, ist bekannt. Dass aber auch Kardinal Müller auf die Seite der Verteidiger des Papstes tritt, ist neu und hat dementsprechend für Erstaunen gesorgt. Wer nun aber das Vorwort Müllers liest, stellt fest, dass der Kardinal sich selbst treu geblieben ist, indem er wieder einmal das deutlich macht, was auch das Anliegen Buttigliones ist. Erstens: „Die dogmatischen Lehren und pastoralen Hinweise des achten Kapitels von ,Amoris laetitia“ können und müssen orthodox verstanden werden.“ Und zweitens: „,Amoris laetitia‘ bedeutet keine lehramtliche Kehrtwende zu einer Situationsethik und damit einen Widerspruch zur Enzyklika ,Splendor veritatis‘ von Papst Johannes Paul II.“ Das heißt, Müller legt das nachsynodale Schrieben eng aus, was viele Bischofskonferenzen bekanntlich nicht getan haben. Sie legen das Papstschreiben weit aus und öffnen Wiederverheirateten den Weg zum Empfang der Sakramente.

    Aber auch ein anderer Kardinal hat vor kurzem erleben müssen, dass man Schreiben von Franziskus eng und weit interpretieren kann, und bitter dafür gebüßt: Liturgiepräfekt Robert Sarah hat das Motu proprio „Magnum principium“ des Papstes zur Übersetzung und Anpassung liturgischer Bücher in den Landessprachen in einem privaten Rundbrief eng ausgelegt – Rom hat das letzte Wort – und dafür einen öffentlichen Rüffel des Papstes einstecken müssen, der ihn korrigierte: Nein, bei den Übersetzungen sind ab jetzt die Bischofskonferenzen federführend. Schön, dass das jetzt geklärt ist. Bleibt zu hoffen, dass nicht auch Kardinal Müller von Franziskus eines Besseren belehrt wird, indem der Papst etwa klarstellt: Nein, „Amoris laetitia“ geht über „Splendor veritatis“ und „Familiaris consortio“ hinaus und hat bei der pastoralen Begleitung Wiederverheirateter tatsächlich Neues gebracht. Das ist ungewohnt. Früher haben wichtige Schreiben der Päpste die Lehre oder Praxis der Kirche präzisiert. Heute lösen sie innerkirchliche Debatten aus, das heißt Prozesse, die Zeit kosten. Das etwas rätselhafte Wort von Franziskus, die Zeit sei wichtiger, als Räume zu besetzen, findet so eine Erklärung.

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