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    Im Blickpunkt: Das Trauma der Christen

    Mit ihrer Erklärung zur Situation im Mittleren Osten erteilen die deutschen Bischöfe radikalpazifistischen Positionen eine Absage. Dass man einem Völkermord nicht tatenlos zusehen kann, versteht sich. Dass militärische Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden dürfen, um Völkermord zu verhindern, begründet allerdings noch keinen „gerechten Frieden“. Die Erklärung vernachlässigt einen entscheidenden Punkt der kirchlichen Lehre aus: Sittlich vertretbar ist der Einsatz von Waffen nach den Grundsätzen kirchlicher Lehre nur, wenn ernsthafte Aussicht auf Erfolg besteht. (KKK 2309).

    Mit ihrer Erklärung zur Situation im Mittleren Osten erteilen die deutschen Bischöfe radikalpazifistischen Positionen eine Absage. Dass man einem Völkermord nicht tatenlos zusehen kann, versteht sich. Dass militärische Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden dürfen, um Völkermord zu verhindern, begründet allerdings noch keinen „gerechten Frieden“. Die Erklärung vernachlässigt einen entscheidenden Punkt der kirchlichen Lehre aus: Sittlich vertretbar ist der Einsatz von Waffen nach den Grundsätzen kirchlicher Lehre nur, wenn ernsthafte Aussicht auf Erfolg besteht. (KKK 2309).

    Ein starker Akzent wäre die von irakischen Bischöfen immer wieder in Spiel gebrachte Forderung, diplomatische Lösungen zu suchen. Von dieser Warte her wird verständlich, warum Teile des irakischen Episkopats bisher zurückhaltend, teilweise auch ablehnend reagiert hat auf Pläne, militärisch zu intervenieren.

    Die Wunden des Jahres 2003, als die Vereinigten Staaten mit dem Versprechen antraten, Demokratie und Wohlstand im Irak zu schaffen und die Christenverfolgung begann (Seite 4), sind offen. Hinter den Christen im Irak liegt die bittere Erfahrung, nach einer Militärintervention wieder vorzeitig und schutzlos verlassen zu werden. Wer jetzt Waffenlieferungen befürwortet, rührt nolens volens auch an das Trauma der Kirche im Irak. Schon 2003 warnten irakische Bischöfe davor, dass das Pulverfass Naher Osten durch militärische Aktionen allein nicht zu befrieden sei. Der Nahostkonflikt hat gezeigt, dass Waffen zuverlässig in den Krisenregionen eintreffen. Daran dürfte sich in den nächsten Monaten nichts ändern. Sogar Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, steht auf der Liste der Lieferanten. Waffen in Kriegsgebiete zu liefern ist für westliche Regierungen immer einfacher, als Flüchtlinge aufzunehmen. Ob den zahllosen ausreisewilligen Christen im Nahen Osten, die in ihrer Heimat keine Zukunft mehr sehen, ein Bischofswort aus Deutschland entscheidend weiterhilft, das Waffenlieferungen ausführlich thematisiert und der Flüchtlingsfrage nur einen Satz gönnt, darf bezweifelt werden. Es wäre auch unrealistisch, zu erwarten, die Kirche könne durch ihren Einsatz die verfehlte Nahostpolitik des Westens kompensieren.

    Der Irakbesuch einer Delegation französischer Bischöfe im August hat den tatsächlichen Spielraum der Kirche für die verfolgten Christen abgesteckt: Gebet, materielle Hilfe für Flüchtlinge und öffentliche Aufmerksamkeit. Intensiver mit diesen Waffen zu kämpfen, führt nicht ins Reich der Sozialromantik.