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    IS-Terrormiliz setzt Verwüstung fort

    Paris (DT/dpa/KNA) Die UNESCO hat die Zerstörung der einzigartigen historischen Stadt Nimrud im Nordirak durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ als „Kriegsverbrechen“ verurteilt. Dieser neue Angriff rufe in Erinnerung, dass die im Irak wütende kulturelle Säuberung nichts und niemanden ausspare, erklärte UNESCO-Chefin Irina Bokowa am Freitag in Paris. Sie forderte die Verantwortlichen in der Region auf, „sich gegen diese neue Barbarei zu erheben“.

    Paris (DT/dpa/KNA) Die UNESCO hat die Zerstörung der einzigartigen historischen Stadt Nimrud im Nordirak durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ als „Kriegsverbrechen“ verurteilt. Dieser neue Angriff rufe in Erinnerung, dass die im Irak wütende kulturelle Säuberung nichts und niemanden ausspare, erklärte UNESCO-Chefin Irina Bokowa am Freitag in Paris. Sie forderte die Verantwortlichen in der Region auf, „sich gegen diese neue Barbarei zu erheben“.

    Der IS hatte am Donnerstag laut des irakischen Altertumministeriums die Jahrtausende alte Stadt Nimrud überrannt. Demnach begannen IS-Anhänger damit, die antike Stätte mit schwerem Gerät zu zerstören. Nimrud ist eine bedeutende assyrische Ruinenstätte knapp 40 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul. Die historische Stadt wurde um 1270 v. Chr. gegründet und war zeitweilig die Hauptstadt Assyriens. Erst Ende Februar hatten die Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter zeigt. So zertrümmerten sie Statuen im Museum Mossul und eine einzigartige assyrische Torhüterfigur, die mehr als 2 600 Jahre alt ist. In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten der Vielgötterei gedient. Die Sunnitenmiliz beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islams, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet.

    Der Berliner Altorientalist Markus Hilgert nannte die neueste IS-Tat eine „Katastrophe für das Kulturerbe der Menschheit“. Die Zerstörung in Nimrud sei „noch eine Steigerung gegenüber dem, was in Mossul geschehen ist“, sagte der Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. „In Nimrud wird auch der archäologische Kontext zerstört, der viel über die Fundstücke erzählt und ihnen erst ihre Bedeutung gibt.“ Die neuesten Taten der Islamisten seien ein Weckruf an die internationale Gemeinschaft, erklärte Hilgert. „Wenn nichts getan wird, dann ist das einmalige Kulturerbe im Irak und auch in Syrien in zehn oder 15 Jahren verschwunden.“

    Auch UNESCO-Chefin Bokowa erklärte, angesichts dieser Taten dürfe niemand schweigen. Nach der ersten Zerstörung altorientalischer Kulturgüter durch den IS Ende Februar hatte sie bereits eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates verlangt und sich an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gewandt.

    Der Archäologe und Vorderasien-Experte Reinhard Bernbeck wertet die Zerstörungen von antiken Statuen im irakischen Nimrud als „unersetzlichen Verlust“. Im Deutschlandradio Kultur sagte der Berliner Forscher am Freitag über den Kulturvandalismus durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“, erst dadurch, dass kulturhistorisch bedeutende Stätten wie die alte Königsstadt Nimrud speziell in der westlichen Welt „mit spezifischen Werten aufgeladen“ worden seien, sei ihre Zerstörung für den IS lohnend geworden. Im Irak kursierten regelrechte „Rekrutierungsvideos“, in denen es darum gehe, den Akt der Zerstörung als etwas Attraktives erscheinen zu lassen. „Hier wird versucht – in Nordost-Syrien und Nordirak – fast die gesamte Vergangenheit, die dort kulturell vorhanden ist, offensichtlich zu zerstören, um einen geschichtlich völlig befreiten Raum zu haben, auf dem man etwas anderes aufbauen kann“, so Bernbeck. Mit Blick auf die schon länger zurückliegende Zerstörung der Buddha-Figuren durch die Taliban in Afghanistan sagte der Wissenschaftler: „Man kann davon ausgehen, dass das ein Akt war, der eindeutig gegen den Westen gerichtet war. Denn es gab damals aus, ich glaube, New York Bestrebungen, diese Statuen zu kaufen von den Taliban.“