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    IM BLICKPUNKT: Rom will nicht zuschauen

    Man könnte es als die Rückkehr der heiligen Inquisition bezeichnen. Einer Inquisition im guten Sinne: Es soll, darf und muss wieder untersucht, das heißt hingeschaut werden, wenn in der Kirche etwas aus dem Ruder läuft. Mit der Veröffentlichung der verschärften Normen der Glaubenskongregation über die Behandlung der „schwerwiegenden Vergehen“ Mitte dieses Monats ist es nochmals klar geworden: Auch wenn die Öffentlichkeit diese Normen eher durch die „Missbrauchs-Brille“ gesehen und manch einer die Einreihung der Priesterweihe von Frauen unter die „schwerwiegenden Vergehen“ als „die“ Neuigkeit herausgestellt hat, so ist die Tragweite dieser Normen jedoch umfangreicher. Die Glaubenskongregation hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, bei Straftaten gegen den Glauben wie Apostasie, Schisma und Häresie, gegen die gültige Feier und Verwaltung der Sakramente sowie gegen die Sitten aus eigener Initiative einzugreifen und eine Untersuchung anzuordnen. Ohne auf das Tätigwerden der Ortsbischöfe warten zu müssen, kann die Glaubenskongregation als „Oberstes Gericht“ der Kirche tätig werden, um Missstände und ihre Verursacher zu verurteilen.

    Man könnte es als die Rückkehr der heiligen Inquisition bezeichnen. Einer Inquisition im guten Sinne: Es soll, darf und muss wieder untersucht, das heißt hingeschaut werden, wenn in der Kirche etwas aus dem Ruder läuft. Mit der Veröffentlichung der verschärften Normen der Glaubenskongregation über die Behandlung der „schwerwiegenden Vergehen“ Mitte dieses Monats ist es nochmals klar geworden: Auch wenn die Öffentlichkeit diese Normen eher durch die „Missbrauchs-Brille“ gesehen und manch einer die Einreihung der Priesterweihe von Frauen unter die „schwerwiegenden Vergehen“ als „die“ Neuigkeit herausgestellt hat, so ist die Tragweite dieser Normen jedoch umfangreicher. Die Glaubenskongregation hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, bei Straftaten gegen den Glauben wie Apostasie, Schisma und Häresie, gegen die gültige Feier und Verwaltung der Sakramente sowie gegen die Sitten aus eigener Initiative einzugreifen und eine Untersuchung anzuordnen. Ohne auf das Tätigwerden der Ortsbischöfe warten zu müssen, kann die Glaubenskongregation als „Oberstes Gericht“ der Kirche tätig werden, um Missstände und ihre Verursacher zu verurteilen.

    Die Glaubenskongregation hat keine grundsätzlich neuen Normen formuliert, sondern die bereits bestehenden nochmals verschärft, präzisiert und sie durch deren Veröffentlichung in das Bewusstsein aller zurückgerufen. Die Botschaft dieses von Papst Benedikt selber und ganz ausdrücklich gewünschten Schritts könnte lauten: Rom will nicht weiter zuschauen, wie der Glaube in der Kirche vor die Hunde geht.

    Dazu passt das, was gut informierte Vatikan-Beobachter schreiben: Benedikt XVI. verschärfe nicht nur das disziplinarische Instrumentarium – was er ja auch mit seiner Predigt zum Abschluss des Priesterjahrs hervorgehoben hat –, sondern arbeite auch an einer Enzyklika über den Glauben. Nach den Apostolischen Lehrschreiben über die Liebe und die Hoffnung nun also eines über die dritte der göttlichen Tugenden. Es wäre nur logisch, wenn der Papst der von ihm so energisch beschworenen Reinigung im Inneren der Kirche und der Rückkehr zum Wesentlichen des Christentums ein Grundsatzdokument voranstellen würde. Da kann es eigentlich nur um den Kern, um das zweitausend Jahre alte Glaubensgut der Kirche gehen, das man in den vergangenen Jahrzehnten auf den Jahrmärkten der theologischen Eitelkeiten zu Billigstpreisen verscherbelt hat. Dazu kann man dem urlaubenden, das heißt schreibenden Papst nur alles Beste wünschen.

    Von Guido Horst