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    Hunger nimmt wieder zu

    Rom (DT/dpa/KNA) Weltweit haben 815 Millionen Menschen im vergangenen Jahr zu wenig zu Essen gehabt. Das waren 38 Millionen Menschen mehr als noch 2015, wie die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Freitag in Rom mitteilte. Die Zahl der Hungerleidenden stieg nach Jahren der Verbesserung der Lebensmittelversorgung wieder. Ob sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen werde, sei unklar.

    Eine Frau durchsucht einen Müllberg am Rande einer Straße in Port-au-Prince in Haiti. Foto: KNA

    Rom (DT/dpa/KNA) Weltweit haben 815 Millionen Menschen im vergangenen Jahr zu wenig zu Essen gehabt. Das waren 38 Millionen Menschen mehr als noch 2015, wie die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Freitag in Rom mitteilte. Die Zahl der Hungerleidenden stieg nach Jahren der Verbesserung der Lebensmittelversorgung wieder. Ob sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen werde, sei unklar.

    Das erklärte Ziel, Hunger und Mangelernährung bis 2030 zu beenden, könne nur erreicht werden, wenn Frieden und Stabilität sichergestellt würden, warnten die UN. Denn dass mehr Menschen Hunger litten, liege neben den Folgen des Klimawandels in erster Linie an der Zunahme der Gewaltkonflikte in aller Welt. Die Hälfte der Menschen, die zu wenig zu essen haben, lebt dem Bericht zufolge in Krisengebieten. Im vergangenen Jahrzehnt sei die Anzahl der Konflikte dramatisch gestiegen, die gewaltsamen Auseinandersetzungen würden zudem immer komplexer. In Bürgerkriegsländern wie dem Südsudan, Nigeria, Somalia und dem Jemen besteht die Gefahr einer Hungersnot, der stärksten Form einer Hungerkrise. „Wir können uns nicht erlauben, diese Alarmglocken länger zu ignorieren“, sagte ein FAO-Sprecher laut einer Mitteilung.

    Doch nicht nur in Krisenregionen habe sich die Versorgungslage verschlechtert. Gegenden, in denen Frieden herrsche, litten unter Dürren und Flutkatastrophen, die teilweise mit der starken Ausprägung des Wetterphänomens El Nino zusammenhingen. Auch ein globaler Rückgang der Wirtschaftsleistung habe zur Verschlechterung der Lebensmittelversorgung beigetragen.

    Der Anteil der Hungerleidenden entspricht etwa elf Prozent der Weltbevölkerung. Die meisten Betroffenen leben in Afrika (243 Millionen) und Asien (520 Millionen). Millionen Kinder leiden als Folge von Hunger an Mangelerscheinungen. Sie sind häufig zu klein für ihr Alter und wiegen zu wenig für ihre Körpergröße. Die mithin höchsten Anteile von mangelernährten Kindern fänden sich in Konfliktgebieten, heißt es in dem gemeinsamen Vorwort der Leiter des FAO, des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), des UN-Kinderhilfswerks Unicef, des Welternährungsprogramms WFP und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dem Bericht zufolge haben rund 155 Millionen Kinder aufgrund von Mangelernährung nicht die Größe, die ihrem Alter entspricht. Weitere 52 Millionen leiden an Muskelschwund aufgrund von Hunger. Demgegenüber gibt es nach Schätzungen der FAO 41 Millionen übergewichtige Kinder. Blutarmut bei Frauen und Fettleibigkeit unter Erwachsenen gäben ebenfalls Anlass zu Sorge, hieß es. Diese Trends seien Folgen von sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten und einer schwachen Wirtschaft. Die FAO erarbeitete den Jahresbericht erstmals in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

    Unterdessen hat der vatikanische Kurienkardinal Peter Turkson eine schnellere Umsetzung des von der UNO anerkannten „Menschenrechts auf sauberes Wasser“ eingemahnt. Das „Recht auf Leben“ und das „Recht auf Wasser“ für alle Menschen seien untrennbar miteinander verbunden, sagte er am Donnerstag bei einer vom Heiligen Stuhl mitveranstalteten Konferenz am Rande der jüngsten Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf. Noch immer hätten etwa mehr als 800 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Angesichts dieser „Lücke zwischen schönen Ankündigungen und deren Umsetzung“ gelte es den Druck aufrechtzuerhalten, damit die Politik dem „Recht auf Wasser“ eine zentrale Rolle zugestehe.