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    Historische Begegnung im Schatten des Nahostkonflikts

    Strahlender Sonnenschein liegt über Havanna, als die Maschine aus Rom am Freitag gegen 14 Uhr landet. Staatspräsident Raúl Castro und Kardinal Ortega von Havanna begrüßen Papst Franziskus. Im Gefolge des Papstes sind der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Ohne Pause begibt sich der 79-Jährige zur Flughafenlounge. Am Gespräch mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. nehmen auch Kardinal Koch und Metropolit Hilarion, der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, teil sowie zwei Dolmetscher.

    Die Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. ist auch die Frucht jahrelanger Vorarbeit: Links K... Foto: dpa

    Strahlender Sonnenschein liegt über Havanna, als die Maschine aus Rom am Freitag gegen 14 Uhr landet. Staatspräsident Raúl Castro und Kardinal Ortega von Havanna begrüßen Papst Franziskus. Im Gefolge des Papstes sind der Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Ohne Pause begibt sich der 79-Jährige zur Flughafenlounge. Am Gespräch mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. nehmen auch Kardinal Koch und Metropolit Hilarion, der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, teil sowie zwei Dolmetscher.

    Nach einem zweistündigen Austausch unterzeichnen Papst und Patriarch im Präsidentensaal des Flughafens José Marti die gemeinsame, dreißig Punkte umfassende Erklärung (siehe Seite 4 und 5). Darin unterstreichen die beiden ihre Gemeinsamkeiten: „Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister“, heißt es in dem Text, der einen starken Appell an die internationale Gemeinschaft enthält, eine weitere Vertreibung der Christen im Nahen Osten zu verhindern. Darüber hinaus hebt die Erklärung auch die zentrale Rolle der traditionellen Familie hervor.

    Franziskus unterzeichnet als „Bischof von Rom, Papst der katholischen Kirche“. Ein Bruderkuss und viel Applaus der beiden Delegationen folgen. Als habe die katholische Kirche hier die werbende Rolle übernommen, streckt Papst Franziskus beide Arme zur brüderlichen Umarmung aus. Kyrill unterstreicht in seiner Dankesrede „die große Verantwortung für unsere Gläubigen und die Zukunft des Christentums“. Die Ergebnisse der Gespräche, so der Moskauer Patriarch, ermöglichten die Zusammenarbeit beider Kirchen, um Christen weltweit und das Leben zu schützen sowie die Moral der Familie zu stärken.

    Auch Papst Franziskus hebt in einer kurzen Ansprache die Gemeinsamkeiten hervor: „Wir sprechen als Brüder, wir haben dieselbe Taufe und denken, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen können.“ Ein persönliches Bekenntnis gibt seinen Worten eine warmherzige Färbung: „Ich habe die Unterstützung des Heiligen Geistes gespürt beim Gespräch“, erklärt Papst Franziskus und äußert seine Dankbarkeit gegenüber Kuba und Präsident Raúl Castro. Für das Oberhaupt der katholischen Kirche scheint die Vereinigung seiner und der russisch-orthodoxen Kirche zum Greifen nah zu sein. „Wenn Gott will, wird Kuba die Hauptstadt der Einheit sein.“

    Der Apostolische Nuntius in Moskau, Erzbischof Ivan Jurkovic, betont in seiner Stellungnahme die Bedeutung der Bilder von der Begegnung: „Die Bilder haben symbolischen Wert. Sie trösten die Leute. Sie geben Mut, sie sind ein Zeichen der Hoffnung“, sagt er dem italienischen Pressedienst SIR. Das Ereignis werde praktische Konsequenzen haben, die jetzt noch nicht abzusehen seien, aber die „zweifellos offiziell angekündigt werden“.

    Den Syrienkonflikt bringt der Bischof von Aleppo ins Spiel. „Die Leiden aller Christen im Nahen Osten tragen als Frucht die Einheit“, so der Apostolische Vikar Georges Abou Khazen dem Pressedienst Fides (Freitag). Die Christen in Syrien hätten nun das Gefühl, dass ihre Leiden nicht umsonst seien, sagt Abou Khazen. „Sie erleben das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. als Frucht des Kreuzes, das sie durchleiden“, unterstreicht der Bischof.

    Als diplomatisches Meisterstück und Hoffnungszeichen bezeichnet der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige das Treffen. „Es erscheint fast wie ein Wunder, dass nunmehr endlich auch ein Treffen des Moskauer Patriarchen mit dem Papst zustande gekommen ist“, schreibt der Magdeburger Bischof und Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz auf dem Internetportal katholisch.de. „Lange erwartet und immer wieder von russischer Seite als noch nicht möglich zurückgestellt, ist es jetzt doch gelungen, ein solches Hoffnungszeichen zu setzen, aber ohne Gottesdienst oder Gebet.“ Als Schlüssel wertet Feige die Aussage der gemeinsamen Abschlusserklärung, dass beide Kirchen nicht Konkurrenten, sondern Geschwister seien. Trotz aller Hindernisse fühlten sich Papst und Patriarch verpflichtet, die „zwischenkirchliche Versöhnung ernsthaft voranzutreiben, in vielen Bereichen zusammenzuarbeiten und den anderen Menschen das Evangelium Christi einmütig zu bezeugen“. Auffällig findet es der Bischof zugleich, dass es in der gemeinsamen Erklärung vor allem um soziale und ethische Probleme sowie die Verteidigung christlicher Werte gehe.

    Mit Material von KNA