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    Haiti: Langfristig helfen

    Am Tag fünf nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat die internationale Hilfe für den Karibikstaat Fahrt aufgenommen. Das ist eine gute Nachricht, zumal immer noch Überlebende aus den Trümmern geborgen werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mehr als 1700 Rettungskräfte bislang über 70 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Allerdings sinkt die Chance für die Verschütteten von Stunde zu Stunde. Zugleich verschlechtert sich die Sicherheitslage. Überall im Land wächst die Unzufriedenheit, dass sich die Hilfe auf Port-au-Prince konzentriert, die Unterstützung für entlegene Gebiete bislang aber weitgehend ausgeblieben ist. Die Bitte von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Geduld konnte die Zunahme von Plünderungen jedenfalls nicht verhindern. Im Stadtzentrum von Port-au-Prince etwa ging die Polizei mit Tränengas gegen Hunderte von Steine werfenden Plünderern vor. Mit Lastwagen fuhren die Sicherheitskräfte in die Menge und versuchten so, die Menschen auseinander zu treiben. In vielen Straßen der Stadt waren am Wochenende Gewehrschüsse zu hören. Vermummte junge Männer zogen mit Macheten durch die Stadtviertel. Die Behörden warnten davor, dass sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Mindestens zwei Plünderer wurden bereits von Anwohnern zusammengeschlagen und erschossen.

    Am Tag fünf nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat die internationale Hilfe für den Karibikstaat Fahrt aufgenommen. Das ist eine gute Nachricht, zumal immer noch Überlebende aus den Trümmern geborgen werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mehr als 1700 Rettungskräfte bislang über 70 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Allerdings sinkt die Chance für die Verschütteten von Stunde zu Stunde. Zugleich verschlechtert sich die Sicherheitslage. Überall im Land wächst die Unzufriedenheit, dass sich die Hilfe auf Port-au-Prince konzentriert, die Unterstützung für entlegene Gebiete bislang aber weitgehend ausgeblieben ist. Die Bitte von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Geduld konnte die Zunahme von Plünderungen jedenfalls nicht verhindern. Im Stadtzentrum von Port-au-Prince etwa ging die Polizei mit Tränengas gegen Hunderte von Steine werfenden Plünderern vor. Mit Lastwagen fuhren die Sicherheitskräfte in die Menge und versuchten so, die Menschen auseinander zu treiben. In vielen Straßen der Stadt waren am Wochenende Gewehrschüsse zu hören. Vermummte junge Männer zogen mit Macheten durch die Stadtviertel. Die Behörden warnten davor, dass sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Mindestens zwei Plünderer wurden bereits von Anwohnern zusammengeschlagen und erschossen.

    Auch wenn sich das Land jetzt im Ausnahmezustand befindet, die chaotischen Zustände und die desolate Sicherheitslage werfen ein Schlaglicht darauf, wie wenig die UN-Mission in Haiti bislang erreichen konnte. Mit mehreren tausend Soldaten versucht die UNO-Mission Minustah seit Mitte 2004, dem Land nach Jahrzehnten der Diktatur den Weg in die Demokratie und Stabilität zu ebnen. In einer Gesellschaft, die seit Jahrzehnten unter Armut und Benachteiligung leidet – die Mehrheit der rund neun Millionen Einwohner muss mit einem Einkommen von weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen –, bleibt offenbar auch die Moral auf der Strecke. Wenn der frühere US-Präsident Bill Clinton und UNO-Sonderbeauftragter für Haiti jetzt nach Port-au-Prince gereist ist, um sich ein Bild von der Situation zu machen, sollte es also nicht allein um Katastrophenhilfe gehen, sondern auch um die Frage, wie den Haitianern künftig geholfen werden kann, ein selbst bestimmtes Leben in Eigenverantwortung zu führen. Und auch die geplante internationale Haiti-Konferenz am 25. Januar in Montreal muss dies zum Ziel haben. Gewiss, die Entsendung von mehr Helfern und Sicherheitskräften ist das Gebot der Stunde. Doch ihre Präsenz allein wird nicht dazu führen, eine langfristige, dauerhafte Entwicklung in Haiti in Gang zu setzen.

    Was aber muss geschehen? Zuvörderst: Es muss stärker in den Schutz vor Naturkatastrophen – Erdbeben, Überschwemmungen und Hurrikans – investiert werden. Doch dem steht nicht nur die Armut des Landes entgegen, sondern auch der fehlende politische Wille sowie die Durchsetzungskraft, um sich gegen die unvermeidlichen Naturereignisse zu wappnen. Es gibt weder Bauvorschriften noch Katastrophenvorsorge, es gibt keine Risikoanalysen und Evakuierungspläne. Gebaut wird so, wie man es für richtig hält, oder so, wie es am billigsten ist. Solange sich diese Einstellung nicht ändert und den Einwohnern nicht beigebracht wird, sich risikogerecht zu verhalten, wird in Haiti aus jedem Hurrikan und jedem Erdbeben eine neue Apokalypse.

    Überdies muss in Zukunft stärker darauf gesetzt werden, die Selbsthilfekräfte der Menschen zu wecken. Die naturräumlichen Bedingungen dafür sind gut. So verfügt Haiti über ein gemäßigtes feucht-warmes Klima, das eigentlich wie geschaffen ist für intensive Landwirtschaft. Doch vielerorts wurde der Regenwald planlos abgeholzt, sodass viele tausend Quadratkilometer fruchtbarer Boden verloren gingen. Wegen der fehlenden Wälder führt heute fast jeder Starkregen zu schweren Überschwemmungen, nach Hurrikanen versinken oft ganze Städte. So starben im Jahr 2004 bei Überflutungen mehr als 2000 Menschen. Knapp eine Viertelmillion Einwohner wurden obdachlos. Nachhaltiger Wiederaufbau bedeutet also vor allem: Den Schutz der Umwelt und natürlichen Ressourcen zu verbinden mit den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Menschen. Wenn dies gelingt, hat Haiti eine echte Chance, das schwere Erbe der Vergangenheit hinter sich zu lassen.

    Von Michael Gregory