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    „Großkoalitäres Therapiegespräch“

    Berlin (DT/dpa) Union und SPD gehen nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz mit neuem Schwung in die Schlussphase des Bundestagswahlkampfes. Beide Seiten reklamieren die Sieg in dem 90-minütigen Schlagabtausch am Sonntagabend jeweils für sich, die Umfragen sehen aber Merkel vorn. Die kleinen Parteien reagierten enttäuscht auf die ihrer Ansicht nach weitgehend inhaltsleere Auseinandersetzung. Medienwissenschaftler halten das derzeitige Format des TV-Duells für überholt.

    TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz
    Was wohl der Dichterfürst der Deutschen zu dem TV-Duell vom Sonntag gesagt hätte? Vermutlich: „Da steh' ich nun, ich arm... Foto: dpa

    Berlin (DT/dpa) Union und SPD gehen nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz mit neuem Schwung in die Schlussphase des Bundestagswahlkampfes. Beide Seiten reklamieren die Sieg in dem 90-minütigen Schlagabtausch am Sonntagabend jeweils für sich, die Umfragen sehen aber Merkel vorn. Die kleinen Parteien reagierten enttäuscht auf die ihrer Ansicht nach weitgehend inhaltsleere Auseinandersetzung. Medienwissenschaftler halten das derzeitige Format des TV-Duells für überholt.

    Unionsfraktionschef Volker Kauder sieht die Wahl am 24. September nicht entschieden. CDU und CSU gingen nun mit großer Zuversicht in den Schlussspurt, sagte er in Berlin. Er mahnte jedoch: „Wir wissen aber auch: Die Wahl wird nicht in einem TV-Duell entschieden.“ Bundesjustizminister Heiko Maas sagte, der Auftritt von Schulz habe der SPD Mut gemacht. „Martin Schulz und der gesamten SPD wird das Duell Rückenwind geben.“ Schulz sei überzeugend, souverän und leidenschaftlich gewesen, erklärte der SPD-Politiker.

    Aus Sicht der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping profitieren vor allem rechte Parteien von dem Schlagabtausch. „Die wirklichen Gewinner waren die Rechtspopulisten und die Kapitalseite“, sagte sie am Montag im ARD-„Morgenmagazin“ und bemängelte: „Themen, von denen ich weiß, aus dem direkten Gespräch mit Menschen, die wirklich die Leute umtreiben, sind so gut wie gar nicht vorgekommen.“ Linke-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch sprach von einem „großkoalitionären Therapiegespräch“. „Martin Schulz hat sich nicht von der Union abgesetzt.“ Bartsch hielt ihm vor, nach der Wahl eine Neuauflage von Schwarz-Rot als Juniorpartner mittragen zu wollen.

    Die Grünen kritisierten, Schulz habe keine Ideen für die Zukunft gehabt. „Dass von Merkel keine Dynamik für Veränderung kommt, war zu erwarten, aber auch von Martin Schulz kamen keine Impulse für einen echten sozialen und ökologischen Wandel in diesen dramatischen Zeiten“, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter bezeichnete Merkels Aussage, es werde keine Rente mit 70 geben, als unglaubwürdig. „Weil nämlich starke Kräfte innerhalb der Union da ganz anderer Meinung sind“, sagte er am Montag im ARD-„Morgenmagazin“.

    FDP-Chef Christian Lindner kritisierte, es sei eher um Vergangenheitsbewältigung und nicht um die Zukunft des Landes gegangen. „Das Duell erinnerte an Szenen einer alten Ehe, in der es mal knirscht, aber beide Seiten wissen, dass man auch künftig miteinander muss“, sagte Lindner.

    In Blitzumfragen von ARD und ZDF lag Merkel am Sonntagabend vorn. Nach ARD-Angaben lag Merkel mit 55 zu 35 Prozent so weit vorn wie noch nie in ihren drei Duellen als Kanzlerin. Im ZDF war es knapper: Hier kam Merkel auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren unentschieden. Die Forschungsgruppe sprach sogar von einem „Patt“ (Siehe auch Leitartikel Seite 2).