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    Glosse: Zeige mir deinen Müll

    Als der heilige Josefmaria, Gründer des Opus Dei, 2002 das letzte Treppchen zur Ehre der Altäre nahm, war der Petersplatz nach der Heiligsprechungsfeier vor Hunderttausenden sauberer als zuvor. Als im gleichen Jahr Italiens Nationalikone Pater Pio die gleiche Würdigung widerfuhr, glich danach das Kolonnadenrund der Innenstadt von Neapel kurz vor einer der (vergeblichen) Säuberungsaktionen Silvio Berlusconis. Zeige mir Deinen Müll – und ich sage Dir, wer Du bist. Jetzt, nachdem die polnischen Fußtruppen die Straßen und Plätze rund um den besagten Platz freigegeben hatten, zierten auffällig viele „Red Bull“-Dosen die Abfallhaufen. Ein Six-Pack mit diesem aufputschenden Getränk ist eben billiger als eine Übernachtung im Hotel. Mit dem Müll ist das in Italien so eine Sache. Der vor lauter Stadtgestank und Autolärm längst schon aufs Land gezogene Schreiber dieser Zeilen hat es sich inzwischen zur festen Gewohnheit gemacht, die Plastiktüten mit dem Hausabfall im Nachbardorf zu entsorgen. Während in Deutschland der säuberlich getrennte und sorgfältig abgewaschene Müll diskret in den Batterien bunter Recycling-Tonnen verschwindet, hält sich in und um Rom herum hartnäckig der überdimensionale Müllcontainer, der alles schluckt, vom explodierten Fernsehgerät über den baufälligen Küchenschrank bis hin zum Alltagsabfall sowie Bauschutt und Altöl oder Terpentin und Farben. Will der Hauseigentümer den Lebensstil seiner Mieter kontrollieren, muss er nach dessen Container-Gang nur den Inhalt des Neuzugangs an Tüten und Kartons inspizieren. Auch die Nachbarn spionieren sich auf diese Weise aus, es geht auch ohne Wanzen und Blicke durch das Schlüsselloch. So kommt es, dass in Italien jeder alles über seine Mitbewohner weiß. Guido Horst

    Als der heilige Josefmaria, Gründer des Opus Dei, 2002 das letzte Treppchen zur Ehre der Altäre nahm, war der Petersplatz nach der Heiligsprechungsfeier vor Hunderttausenden sauberer als zuvor. Als im gleichen Jahr Italiens Nationalikone Pater Pio die gleiche Würdigung widerfuhr, glich danach das Kolonnadenrund der Innenstadt von Neapel kurz vor einer der (vergeblichen) Säuberungsaktionen Silvio Berlusconis. Zeige mir Deinen Müll – und ich sage Dir, wer Du bist. Jetzt, nachdem die polnischen Fußtruppen die Straßen und Plätze rund um den besagten Platz freigegeben hatten, zierten auffällig viele „Red Bull“-Dosen die Abfallhaufen. Ein Six-Pack mit diesem aufputschenden Getränk ist eben billiger als eine Übernachtung im Hotel. Mit dem Müll ist das in Italien so eine Sache. Der vor lauter Stadtgestank und Autolärm längst schon aufs Land gezogene Schreiber dieser Zeilen hat es sich inzwischen zur festen Gewohnheit gemacht, die Plastiktüten mit dem Hausabfall im Nachbardorf zu entsorgen. Während in Deutschland der säuberlich getrennte und sorgfältig abgewaschene Müll diskret in den Batterien bunter Recycling-Tonnen verschwindet, hält sich in und um Rom herum hartnäckig der überdimensionale Müllcontainer, der alles schluckt, vom explodierten Fernsehgerät über den baufälligen Küchenschrank bis hin zum Alltagsabfall sowie Bauschutt und Altöl oder Terpentin und Farben. Will der Hauseigentümer den Lebensstil seiner Mieter kontrollieren, muss er nach dessen Container-Gang nur den Inhalt des Neuzugangs an Tüten und Kartons inspizieren. Auch die Nachbarn spionieren sich auf diese Weise aus, es geht auch ohne Wanzen und Blicke durch das Schlüsselloch. So kommt es, dass in Italien jeder alles über seine Mitbewohner weiß. Guido Horst