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    Glosse: Wunsch und Wirklichkeit

    Wer eine Familie gründet, beweist Mut. Daran aber fehlt es, wie sich an der demografischen Entwicklung, die eher eine Abwicklung ist, ablesen lässt. Zwar haben familienpolitische Erfolgsmeldungen fortlaufend Konjunktur, aber die vielen unterdrückten Kinderwünsche entlarven sie als bloße Rhetorik. Allerdings beherrschen nicht nur Politiker die Kunst des Wortgeklingels, sondern auch Wissenschaftler. Beispiel 1: Renate Köcher, Chefdemoskopin von Allensbach. Bei der Vorstellung des Familienmonitors 2010 behauptete sie laut einem Zeitungsbericht, der Mut zum Kind wachse wieder. „Ach was!“, staunen wir mit Loriots Worten und fragen mit unseren eigenen: Wie kommt sie darauf? Durch die von ihr ermittelten Zahlen in dem erwähnten Monitor. Demnach wollen 52% der unter 50-Jährigen „bestimmt einmal“ (2008 waren es 43%), 26% „vielleicht“ (2008: 30%) und 20% überhaupt keine (2008: 20%) Kinder haben. Aha! Wenn aber schon der bloße Wille zum Kind mutig ist, dann ist Frau Köchers These mehr als das: waghalsig. Es sei denn, Wunsch und Wirklichkeit hätten die Lücke zwischen sich endgültig überwunden.

    Wer eine Familie gründet, beweist Mut. Daran aber fehlt es, wie sich an der demografischen Entwicklung, die eher eine Abwicklung ist, ablesen lässt. Zwar haben familienpolitische Erfolgsmeldungen fortlaufend Konjunktur, aber die vielen unterdrückten Kinderwünsche entlarven sie als bloße Rhetorik. Allerdings beherrschen nicht nur Politiker die Kunst des Wortgeklingels, sondern auch Wissenschaftler. Beispiel 1: Renate Köcher, Chefdemoskopin von Allensbach. Bei der Vorstellung des Familienmonitors 2010 behauptete sie laut einem Zeitungsbericht, der Mut zum Kind wachse wieder. „Ach was!“, staunen wir mit Loriots Worten und fragen mit unseren eigenen: Wie kommt sie darauf? Durch die von ihr ermittelten Zahlen in dem erwähnten Monitor. Demnach wollen 52% der unter 50-Jährigen „bestimmt einmal“ (2008 waren es 43%), 26% „vielleicht“ (2008: 30%) und 20% überhaupt keine (2008: 20%) Kinder haben. Aha! Wenn aber schon der bloße Wille zum Kind mutig ist, dann ist Frau Köchers These mehr als das: waghalsig. Es sei denn, Wunsch und Wirklichkeit hätten die Lücke zwischen sich endgültig überwunden.

    Beispiel 2: Kerstin Ruckdeschel, Soziologin und Bevölkerungswissenschaftlerin. Ihr Beitrag zur Vermehrung heißer Luft: „Der Kinderwunsch stellt zunächst lediglich eine in die Zukunft gerichtete Handlungsabsicht dar. Als sicher kann gelten, dass er Informationen über die grundlegende Bereitschaft, Kinder zu bekommen, liefert. Die Kinderwünsche liegen aber immer über der tatsächlichen Kinderzahl.“ Das ist etwa so richtig wie die Aussage, dass ein Schimmel prinzipiell ein weißes Pferd ist. Frau Ruckdeschel hätte auch sagen können, dass immer weniger Kinder geboren werden. Aber das mag man ja auch schon nicht mehr hören. Bernhard Huber