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    Glosse: Wir haben relativ gar nichts gelernt

    Der Satz „Alles ist relativ“ ist ein Widerspruch in sich. Selbst wenn alles andere relativ wäre, so beansprucht doch diese Aussage selbst Absolutheit und widerlegt allein damit den Absolutheitsanspruch ihres Relativismus. Ähnlich verhält es sich mit der durchaus nicht unbegründeten These: „Wir lernen rein gar nichts aus der Geschichte!“ Allein diese Erkenntnis ist eine Lehre aus der Geschichte, wenn auch keine erfreuliche. Dass nicht alles, aber eben auch nicht wenig relativ sei, dass wir nicht nichts, aber doch kläglich wenig aus der Geschichte lernen, mag keine absolute Erkenntnis sein, aber doch eine tägliche, schmerzvolle Erfahrung.

    Der Satz „Alles ist relativ“ ist ein Widerspruch in sich. Selbst wenn alles andere relativ wäre, so beansprucht doch diese Aussage selbst Absolutheit und widerlegt allein damit den Absolutheitsanspruch ihres Relativismus. Ähnlich verhält es sich mit der durchaus nicht unbegründeten These: „Wir lernen rein gar nichts aus der Geschichte!“ Allein diese Erkenntnis ist eine Lehre aus der Geschichte, wenn auch keine erfreuliche. Dass nicht alles, aber eben auch nicht wenig relativ sei, dass wir nicht nichts, aber doch kläglich wenig aus der Geschichte lernen, mag keine absolute Erkenntnis sein, aber doch eine tägliche, schmerzvolle Erfahrung.

    In Russland ist wieder einmal eine Stalin-Statue aufgestellt worden. Nicht im Museum, sondern öffentlich. Das Fernsehen huldigt dem Putinismus. Wie zu Zeiten des Kalten Kriegs einigten sich Washington und Moskau auf eine Feuerpause in Syriens „Bürgerkrieg“ – George Orwell lässt grüßen. In Ankara, Riad, Jerusalem, Brüssel und bei den Kurden darf man spekulieren, wen die USA zu welchem Preis verkauft haben; Assad dürfte Putins Preis kennen. Alle Verschwörungstheorien sind richtig; alle Paranoiker werden tatsächlich verfolgt. Wer einen Mangel an Feinden hat, der hat sie nur noch nicht entdeckt. Aber die NSA hört ihnen längst zu. Und in Europa? Da testen wir jetzt, ob im 21. Jahrhundert funktionieren könnte, was im 20. in Katastrophen führte: Grenzen zu! Der Nachbar ist der Feind! Hitler ist tot, aber Hindenburg lebt. Zumindest mit dem schon 1917 irrsinnigen Satz: „Die Zeiten sind hart, aber der Sieg ist sicher!“ Stephan Baier