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    Glosse: Wiedergeburt des Kolosseums

    Während man nördlich der Alpen noch auf das passende Wetter wartet, um endlich Ferienstimmung aufkommen zu lassen, hat Benedikt XVI. seinen Urlaub beendet und die päpstliche Arbeit wieder aufgenommen. Die Reihe der Mittwochskatechese setzt sich fort, wie auch die Besuche von nah und fern. Tausend bayerische Pilger haben sich angesagt, morgen gibt es Gstanzl, Erntetänze, Schuhplatteln und einen Andachtsjodler im Innenhof der Residenz von Castelgandolfo. Den Papst wird's freuen. Doch die wichtigeren Termine finden in geschlossenen Räumen statt. So die Unterredung mit dem römischen Bürgermeister Gianni Alemanno, dem, wie zu erfahren war, die Geldmittel ausgegangen sind, um das Kolosseum, das Wahrzeichen der Stadt, zu renovieren und erhalten. Zwar soll ein Mailänder Schuhfabrikant 25 Millionen Euro geboten haben, um das antike Stadion vor dem Einsturz zu bewahren. Aber der findige Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, hatte eine viel bessere Idee: Im Zuge einiger kriminaltechnischer Verfahren, zu denen es hinter den leoninischen Mauern gekommen und von denen in den vergangenen Wochen immer wieder zu lesen war, erfolgte schließlich auch eine Verhaftung und der vatikanischen Gendamerie fiel bei der Verwahrung des geständigen Täters auf, dass dem kleinen Kirchenstaat im Grunde noch ein kleines Hochsicherheitsgefängnis fehlt. Problem erkannt, Problem gebannt, meint der Kardinalstaatssekretär in seiner stets zupackenden Art und beschloss, auf Vatikanbankkosten das Kolosseum dem apostolischen Besitz hinzuzufügen. Touristen können dann durch die Gitter in den Bögen des steinernen Monuments nicht nur leere und finstere Löcher, sondern vatikanische Übeltäter bei Reue und Buße sehen. Denn davon gibt's eine Menge.