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    Glosse: Weihnachten heute

    Es begab sich aber zu jener Zeit, dass auf Geheiß des „Marketingverband Innenstadt“ überall im Land mobile Holzbuden aufgestellt wurden, in denen Hirten (oder Studenten) allerlei Nippes feilboten und den Erlös in Steuerlisten eintrugen. Das geschah nicht zum ersten Mal. Dennoch setzte sich das ganze Volk in Bewegung und stellte sich in eine der Schlangen. Auch Maria und Josef zogen durch Schneematsch und Nieselregen zu ihrer Holzbude und warteten geduldig. Als sie an der Reihe waren, kam für Maria die Zeit der Niederkunft. Und sie gebar einen Sohn. Sie legte ihn in einen Feuerwehrwagen des Karussells, weil auf der Kunsteisbahn kein Platz für sie war. Hinter dem Karussell hatten Hirten (oder Studenten) ihr Materiallager und verteilten in Nachtschicht Handzettel. Eine Blaskapelle spielte „Send me an Angel“. Sogleich kamen von überall her Sicherheitskräfte und durchsuchten Taschen und Rucksäcke. Ein Kommunalpolitiker hält eine Ansprache: „Fürchtet euch nicht!“ Die Studenten sagten zueinander: „Lasst uns nach Hause gehen!“ Und alle, die das hörten, staunten darüber, dass die Hirten eigentlich Studenten waren. Maria aber behielt die Nerven und den ganzen Rummel in ihrem Herzen. Und ihren Ohren. Josef, der klug und gerecht war, beschloss, Maria in Richtung Stille zu verlassen. Doch in der Nacht hatte er einen Traum. Ein Leierkastenmann sang zu ihm: „Josef, lieber Josef, mein! Nimm Maria und das Kind und flieh nach Ost-Berlin! Denn da gibt es keine Weihnachtsmärkte!“ Doch bevor sie sich auf den Weg machen konnten, kamen drei Ordner aus dem Kinderland. Sie brachten Glühwein, Grünkohl und Grillwurst. Herodes aber war sehr zufrieden, als er die Umsatzzahlen sah, und beantragte für 2018 einen Hasenmarkt. Eröffnung: 3. Februar.

    Es begab sich aber zu jener Zeit, dass auf Geheiß des „Marketingverband Innenstadt“ überall im Land mobile Holzbuden aufgestellt wurden, in denen Hirten (oder Studenten) allerlei Nippes feilboten und den Erlös in Steuerlisten eintrugen. Das geschah nicht zum ersten Mal. Dennoch setzte sich das ganze Volk in Bewegung und stellte sich in eine der Schlangen. Auch Maria und Josef zogen durch Schneematsch und Nieselregen zu ihrer Holzbude und warteten geduldig. Als sie an der Reihe waren, kam für Maria die Zeit der Niederkunft. Und sie gebar einen Sohn. Sie legte ihn in einen Feuerwehrwagen des Karussells, weil auf der Kunsteisbahn kein Platz für sie war. Hinter dem Karussell hatten Hirten (oder Studenten) ihr Materiallager und verteilten in Nachtschicht Handzettel. Eine Blaskapelle spielte „Send me an Angel“. Sogleich kamen von überall her Sicherheitskräfte und durchsuchten Taschen und Rucksäcke. Ein Kommunalpolitiker hält eine Ansprache: „Fürchtet euch nicht!“ Die Studenten sagten zueinander: „Lasst uns nach Hause gehen!“ Und alle, die das hörten, staunten darüber, dass die Hirten eigentlich Studenten waren. Maria aber behielt die Nerven und den ganzen Rummel in ihrem Herzen. Und ihren Ohren. Josef, der klug und gerecht war, beschloss, Maria in Richtung Stille zu verlassen. Doch in der Nacht hatte er einen Traum. Ein Leierkastenmann sang zu ihm: „Josef, lieber Josef, mein! Nimm Maria und das Kind und flieh nach Ost-Berlin! Denn da gibt es keine Weihnachtsmärkte!“ Doch bevor sie sich auf den Weg machen konnten, kamen drei Ordner aus dem Kinderland. Sie brachten Glühwein, Grünkohl und Grillwurst. Herodes aber war sehr zufrieden, als er die Umsatzzahlen sah, und beantragte für 2018 einen Hasenmarkt. Eröffnung: 3. Februar.