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    Glosse: Wahlkampf pur

    Ist denn jetzt schon Wahlkampf? Gemeint sind nicht die subalternen Urnengänge provinzieller Provenienz. Gemeint ist die eine und einzige Es-geht-um-die-Wurst-Bundestagswahl im nächsten Jahr. Kein Finanzminister würde sonst freiwillig „Steuersenkung“ sagen, schon gar nicht „Kindergelderhöhung“. Die Grünen verirren sich sogar in die Familienpolitik. Familienmensch Volker Beck will nämlich die Großfamilie wiederbeleben, wenn auch nicht auf natürliche, sondern auf originelle Weise: Die Kinder sollen vier Eltern bekommen. Auf dass unsere notorisch kinderarmen Familien wenigstens mit Eltern reich gesegnet seien. Während sich die FDP unter der Fünfprozentmarke versteckt, verbreitet die AfD Wahlkampfgetöse, wenn sie ankündigt, auf die Familienpolitik setzen zu wollen. Klar, dass die SPD ebenfalls zu Wahlkampfformat aufläuft. Souverän schiebt sie ihrem großkoalitionären Partner die Verantwortung für alles, was in letzter Zeit so schiefgelaufen ist, in die Schuhe. Man staunt echt nicht schlecht, wenn Sigmar Gabriel von einem quasipubertären Trotzreflex erfasst wird und, sobald er als Parteivorsitzender einmal nicht der Kabinettsdisziplin unterliegt, gegen seine Kanzlerin stänkert. Sogar „Obergrenze“ sagt er dann, ohne dafür das Urheberrecht zu besitzen. Frei nach Churchill schert ihn nicht nur nicht, was er gestern gesagt, sondern auch nicht, was er gestern nicht gesagt hat. Schließlich verstärken auch die Unionsschwestern den profilierenden Grenzschutz zwischen sich. Während die CDU-Vorsitzende sagt „Deutschland wird Deutschland bleiben“, zweifelt der CSU-Vorsitzende eben das an, indem er fordert: „Deutschland muss Deutschland bleiben“. Außerdem plant er frei nach Kabel 1 „die größte Steuersenkung aller Zeiten“. Man kann seine Wahlberechtigung verwetten: Das ist Wahlkampf pur. Bernhard Huber

    Ist denn jetzt schon Wahlkampf? Gemeint sind nicht die subalternen Urnengänge provinzieller Provenienz. Gemeint ist die eine und einzige Es-geht-um-die-Wurst-Bundestagswahl im nächsten Jahr. Kein Finanzminister würde sonst freiwillig „Steuersenkung“ sagen, schon gar nicht „Kindergelderhöhung“. Die Grünen verirren sich sogar in die Familienpolitik. Familienmensch Volker Beck will nämlich die Großfamilie wiederbeleben, wenn auch nicht auf natürliche, sondern auf originelle Weise: Die Kinder sollen vier Eltern bekommen. Auf dass unsere notorisch kinderarmen Familien wenigstens mit Eltern reich gesegnet seien. Während sich die FDP unter der Fünfprozentmarke versteckt, verbreitet die AfD Wahlkampfgetöse, wenn sie ankündigt, auf die Familienpolitik setzen zu wollen. Klar, dass die SPD ebenfalls zu Wahlkampfformat aufläuft. Souverän schiebt sie ihrem großkoalitionären Partner die Verantwortung für alles, was in letzter Zeit so schiefgelaufen ist, in die Schuhe. Man staunt echt nicht schlecht, wenn Sigmar Gabriel von einem quasipubertären Trotzreflex erfasst wird und, sobald er als Parteivorsitzender einmal nicht der Kabinettsdisziplin unterliegt, gegen seine Kanzlerin stänkert. Sogar „Obergrenze“ sagt er dann, ohne dafür das Urheberrecht zu besitzen. Frei nach Churchill schert ihn nicht nur nicht, was er gestern gesagt, sondern auch nicht, was er gestern nicht gesagt hat. Schließlich verstärken auch die Unionsschwestern den profilierenden Grenzschutz zwischen sich. Während die CDU-Vorsitzende sagt „Deutschland wird Deutschland bleiben“, zweifelt der CSU-Vorsitzende eben das an, indem er fordert: „Deutschland muss Deutschland bleiben“. Außerdem plant er frei nach Kabel 1 „die größte Steuersenkung aller Zeiten“. Man kann seine Wahlberechtigung verwetten: Das ist Wahlkampf pur. Bernhard Huber