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    Glosse: Urlaub, Lügen und Video

    Vielen ist Christian Wulff zu blass und angepasst. Dabei ist der Bundespräsident seiner Zeit voraus. Demnächst etwa wird er mit seiner Familie Urlaub auf Norderney machen. Das Verblüffende: Das Urlaubsvideo gibt es schon. Es wurde bereits ausgestrahlt; in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zum Auftakt einer Reihe von Sommerinterviews, die am Urlaubsort der Politiker geführt werden. Es zeigt Wulff, wie er am Strand mit Bettina Schausten über Gott und die Welt plaudert. Von dem Hubschrauber, der Wulff auf Kosten der Steuerzahler hin- und zurückgeflogen hat, erfahren wir erst jetzt.

    Vielen ist Christian Wulff zu blass und angepasst. Dabei ist der Bundespräsident seiner Zeit voraus. Demnächst etwa wird er mit seiner Familie Urlaub auf Norderney machen. Das Verblüffende: Das Urlaubsvideo gibt es schon. Es wurde bereits ausgestrahlt; in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zum Auftakt einer Reihe von Sommerinterviews, die am Urlaubsort der Politiker geführt werden. Es zeigt Wulff, wie er am Strand mit Bettina Schausten über Gott und die Welt plaudert. Von dem Hubschrauber, der Wulff auf Kosten der Steuerzahler hin- und zurückgeflogen hat, erfahren wir erst jetzt.

    Musste das wirklich sein? Hätte das Interview nicht auch auf der Jacht des Aufsichtsratsvorsitzenden eines Autoherstellers im Mittelmeer geführt werden können oder auf der Terrasse einer mallorquinischen Finca eines deutschen Finanzunternehmers? Da hätte nicht bloß die Sonne das Herz der gebeutelten Steuerzahler erwärmt. Denn die ehrenwerten Herren hätten sicher – großzügig wie sie sind – zu den Reisekosten Wulffs gerne auch noch die des ZDF-Kamerateams übernommen? Und wer meint, so etwas schickt sich nicht, der hätte zumindest auf die Idee kommen können, in einem der sündhaft teuren Fernsehstudios Strandkörbe aufzustellen und Bilder der wogenden friesischen See auf die Studiowände zu projizieren. Ein paar Säcke Sand, eine Windmaschine, die den präsidialen Scheitel ab und zu durcheinander bringt und Meeresrauschen von der Festplatte hätten es doch auch getan und wären vielleicht sogar ohne eine neue Gebührenerhöhung zu stemmen gewesen. Wir Steuerzahler arbeiten schließlich gerade an der Rettung Griechenlands, Italiens und Portugals. Da hätte sich doch mal jemand anders um eine Kulisse für den netten Herrn Wulff kümmern können.