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    Glosse: Und am Ende gewinnt Serbien

    „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach – und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ So erklärte es Gary Lineker, einst bester Stürmer Englands, heute Fußballkommentator für BBC und Al Jazeera, den Fußball-Analphabeten (wie dem Autor dieser Zeilen). Analog lässt sich die auch nicht viel kompliziertere Balkan-Strategie des Westens zusammenfassen: „...und am Ende gewinnt immer Serbien.“ Kroatien wurde von den Vereinten Nationen und der EU jahrelang schikaniert und blockiert, weil es angeblich General Gotovina versteckte – und als Gotovina endlich mit französischem Pass auf spanischem Hoheitsgebiet verhaftet wurde, suchte Brüssel hurtig neue Haare, um sie den Kroaten in die Suppe zu streuen. Für Serbien dagegen werden die Tore nach Europa aufgerissen, seit General Ratko Mladiæ von Belgrad mit 16-jähriger Verspätung in Haag abgegeben wurde.

    „Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach – und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ So erklärte es Gary Lineker, einst bester Stürmer Englands, heute Fußballkommentator für BBC und Al Jazeera, den Fußball-Analphabeten (wie dem Autor dieser Zeilen). Analog lässt sich die auch nicht viel kompliziertere Balkan-Strategie des Westens zusammenfassen: „...und am Ende gewinnt immer Serbien.“ Kroatien wurde von den Vereinten Nationen und der EU jahrelang schikaniert und blockiert, weil es angeblich General Gotovina versteckte – und als Gotovina endlich mit französischem Pass auf spanischem Hoheitsgebiet verhaftet wurde, suchte Brüssel hurtig neue Haare, um sie den Kroaten in die Suppe zu streuen. Für Serbien dagegen werden die Tore nach Europa aufgerissen, seit General Ratko Mladiæ von Belgrad mit 16-jähriger Verspätung in Haag abgegeben wurde.

    Dabei ist Mladiæs Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal ein Reingewinn für alle Serben: Die Verschwörungstheoretiker haben nun jahrelang Stoff für neue Theorien. Der serbischen Regierung wird in Brüssel der lange reservierte rote Teppich ausgerollt. Mladiæs 2005, zehn Jahre nach Ende des Krieges, eingefrorene Generalspension wird an seine Familie ausbezahlt: 50 000 Euro sofort, dann 800 Euro pro Monat. Und der „schwerkranke“ Ex-General hat in Den Haag eine medizinische Betreuung, die ihm Serbien nie bieten könnte. Sollte er, wie Kollege Miloševiæ, dennoch in Haft sterben, wäre er für seine in Serbien immer noch zahlreichen Fans nicht nur ein Held, sondern auch noch ein Märtyrer. Bis dahin kann er mit seinen alten Kumpels Karadžiæ und Šešelj am Pool Campari schlürfend darüber diskutieren, ob es ihnen eigentlich besser ginge, wenn sie ihren Krieg gewonnen hätten.