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    Glosse: „Thight gap“ – „Brain gap“?

    Im Lückenhaften erblickte der Gesunde bislang einen Mangel. Deshalb mühte er sich bisher auch nach Kräften, Wissenslücken zu schließen, Finanzierungslücken mit Hilfe von Krediten zu überbrücken oder Zahnlücken vom Kiefernchirurgen seines Vertrauens korrigieren zu lassen. Lückenhafte Übersetzungen pflegte er bis vor kurzem genauso zu vervollständigen, wie er „Steuerschlupflöcher“ als Folge von Gesetzeslücken zu stopfen suchte. Doch jetzt muss der Gesunde womöglich umlernen. Denn die Lücke wurde geadelt. Der Mangel, so lernen derzeit junge Frauen und Mädchen, sei in Wirklichkeit ein Gewinn. In den USA etwa gilt die sogenannte „thight gap“, eine Lücke oberhalb der Knie zwischen den Oberschenkeln, als erstrebenswertes Schönheitsideal. Was für all jene junge Frauen und Mädchen ein ernsthaftes Problem darstellt, die nicht mit Storchenbeinen auf die Welt gekommen sind. Fitnesstrainer und Ernährungsberater haben deshalb derzeit alle Hände voll zu tun, den ohne „thight gap“ Geborenen zu erläutern, mit welchen „Workout-Übungen“ und Diäten sie dem durchaus üblichen Fettgewebe an den Oberschenkelinnenseiten ebenso unnatürlich wie wirksam auf den Leib rücken können. Dabei könnte man sich mit der „thight gap“ auch auf gesellschaftlich relevante Weise auseinandersetzen. So wäre es beispielsweise interessant, wissenschaftlich abzuklären, ob der Wunsch nach einer „thight gap“ nicht womöglich mit anderen Lücken korreliert. Als ein ganz heißer Kandidat dürfte hier wohl die sogenannte „brain gap“ gelten. Stefan Rehder

    Im Lückenhaften erblickte der Gesunde bislang einen Mangel. Deshalb mühte er sich bisher auch nach Kräften, Wissenslücken zu schließen, Finanzierungslücken mit Hilfe von Krediten zu überbrücken oder Zahnlücken vom Kiefernchirurgen seines Vertrauens korrigieren zu lassen. Lückenhafte Übersetzungen pflegte er bis vor kurzem genauso zu vervollständigen, wie er „Steuerschlupflöcher“ als Folge von Gesetzeslücken zu stopfen suchte. Doch jetzt muss der Gesunde womöglich umlernen. Denn die Lücke wurde geadelt. Der Mangel, so lernen derzeit junge Frauen und Mädchen, sei in Wirklichkeit ein Gewinn. In den USA etwa gilt die sogenannte „thight gap“, eine Lücke oberhalb der Knie zwischen den Oberschenkeln, als erstrebenswertes Schönheitsideal. Was für all jene junge Frauen und Mädchen ein ernsthaftes Problem darstellt, die nicht mit Storchenbeinen auf die Welt gekommen sind. Fitnesstrainer und Ernährungsberater haben deshalb derzeit alle Hände voll zu tun, den ohne „thight gap“ Geborenen zu erläutern, mit welchen „Workout-Übungen“ und Diäten sie dem durchaus üblichen Fettgewebe an den Oberschenkelinnenseiten ebenso unnatürlich wie wirksam auf den Leib rücken können. Dabei könnte man sich mit der „thight gap“ auch auf gesellschaftlich relevante Weise auseinandersetzen. So wäre es beispielsweise interessant, wissenschaftlich abzuklären, ob der Wunsch nach einer „thight gap“ nicht womöglich mit anderen Lücken korreliert. Als ein ganz heißer Kandidat dürfte hier wohl die sogenannte „brain gap“ gelten. Stefan Rehder