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    Glosse: „Soviel du brauchst“

    „Soviel du brauchst“ – So lautet die Losung des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der noch bis Sonntag in Hamburg stattfindet. Wie die Verantwortlichen versichern, habe niemand, als man sich für die Losung entschied, an Uli Hoeneß gedacht. Das glauben sogar Katholiken gern. Schließlich hatte Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Präsident den damaligen Bayern-Manager als „Vater Teresa vom Tegernsee“ bezeichnet. Was im katholischen München Vielen gefallen haben wird, dürfte im protestantischen Magdeburg dagegen nur wenig Begeisterung ausgelöst haben. Doch auch wenn bei der EKD niemand Hoeneß auf dem Radar gehabt haben will, ist die Losung nicht unproblematisch. Woher weiß das „du“, wieviel es braucht? Sagt das dem „du“ der Verstand, das Herz oder der Bauch? Vielleicht sagt dem „du“ aber auch jemand ganz anderes, wieviel es braucht. Jemand wie der Staat zum Beispiel; was bei Protestanten nicht völlig undenkbar ist. Womit wir mitten in der Politik wären. Hier rüsten sich gerade alle für den Wahlkampf. Der besteht im Wesentlichen darin, Menschen zu erklären, wieviel sie brauchen und wovon. Rechnet man alles zusammen, ergibt sich ein interessantes Porträt des durchschnittlichen Deutschen. Der muss mehr Steuern zahlen, weshalb er mehr arbeiten muss und dringend einen Kita-Platz benötigt. Damit sich der rentiert, muss er ein Kind zeugen, weshalb der Staat unter anderem künstliche Befruchtung stärker subventionieren will. Da lohnt es sich doch, darüber nachzudenken, ob das „du“ tatsächlich all das braucht? Stefan Rehder

    „Soviel du brauchst“ – So lautet die Losung des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der noch bis Sonntag in Hamburg stattfindet. Wie die Verantwortlichen versichern, habe niemand, als man sich für die Losung entschied, an Uli Hoeneß gedacht. Das glauben sogar Katholiken gern. Schließlich hatte Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Präsident den damaligen Bayern-Manager als „Vater Teresa vom Tegernsee“ bezeichnet. Was im katholischen München Vielen gefallen haben wird, dürfte im protestantischen Magdeburg dagegen nur wenig Begeisterung ausgelöst haben. Doch auch wenn bei der EKD niemand Hoeneß auf dem Radar gehabt haben will, ist die Losung nicht unproblematisch. Woher weiß das „du“, wieviel es braucht? Sagt das dem „du“ der Verstand, das Herz oder der Bauch? Vielleicht sagt dem „du“ aber auch jemand ganz anderes, wieviel es braucht. Jemand wie der Staat zum Beispiel; was bei Protestanten nicht völlig undenkbar ist. Womit wir mitten in der Politik wären. Hier rüsten sich gerade alle für den Wahlkampf. Der besteht im Wesentlichen darin, Menschen zu erklären, wieviel sie brauchen und wovon. Rechnet man alles zusammen, ergibt sich ein interessantes Porträt des durchschnittlichen Deutschen. Der muss mehr Steuern zahlen, weshalb er mehr arbeiten muss und dringend einen Kita-Platz benötigt. Damit sich der rentiert, muss er ein Kind zeugen, weshalb der Staat unter anderem künstliche Befruchtung stärker subventionieren will. Da lohnt es sich doch, darüber nachzudenken, ob das „du“ tatsächlich all das braucht?