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    Glosse: Sommer in der Grütze

    Verbraucherministerin Ilse Aigner hat jetzt das lobenswerte Internetportal www.lebensmittelklarheit.de gestartet. Dort erfahren gesundheitsbewusste Konsumenten zum Beispiel, dass in manchen Kalbswienern halbe Schweine stecken, und Fischsticks alles Mögliche enthalten, aber nicht unbedingt Fisch. Auch der „Bayerische Leberkäse“ ist von einem aufmerksamen Mitesser enttarnt worden: Er, der Leberkäse, besteht zu 80 Prozent aus Schweinefleisch, der Rest ist Wasser, Speck, Salz, Gewürze und andere Zutaten – aber keine Leber! Dank des Internetportals wissen wir aber jetzt, dass der leberlose Leberkäse zumindest juristisch nicht zu beanstanden ist. Denn die „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ schreiben unter Ziffer 2.222.2 zwar Leber als Zutat vor, allerdings nur für Leberkäse, nicht für „Bayerischen Leberkäse“. Deshalb, so räumt das Internetportal ein, könnten Verbraucher von der „Verkehrsbezeichnung Bayerischer Leberkäse“ getäuscht werden. So ist es! Vor allem in Nordrhein-Westfalen, einer Hochburg von Currywurst mit Pommes rot-weiß, sind schon Zigtausende dem Bayerischen Leberkäse aufgesessen. Dass keine Leber drin ist, haben die meisten zwar nicht einmal bemerkt, dass aber kein Käse drin ist, schon. Einen ähnlichen Skandal könnte auch die „Sommer-Grütze“ von Dr. Oetker heraufbeschwören. Sie enthält Pfirsich, Papaya, den Saft von Orangen, Maracuja und Zitronen. Und ja, sie schmeckt lecker, lecker, lecker. Aber – wir haben es selbst recherchiert – in einem 500-Gramm-Becher „Sommer-Grütze“ befindet sich kein einziges Gramm Sommer! Sorry, lieber Dr. Oetker, aber das geht definitiv zu weit. Behalten Sie Ihre Grütze, wir bevorzugen ehrliche Hausmannskost: Heute gibt's Zigeunerschnitzel mit Bauernsalat. Da weiß man wenigstens, was drin ist. aNDREAS wODOK

    Verbraucherministerin Ilse Aigner hat jetzt das lobenswerte Internetportal www.lebensmittelklarheit.de gestartet. Dort erfahren gesundheitsbewusste Konsumenten zum Beispiel, dass in manchen Kalbswienern halbe Schweine stecken, und Fischsticks alles Mögliche enthalten, aber nicht unbedingt Fisch. Auch der „Bayerische Leberkäse“ ist von einem aufmerksamen Mitesser enttarnt worden: Er, der Leberkäse, besteht zu 80 Prozent aus Schweinefleisch, der Rest ist Wasser, Speck, Salz, Gewürze und andere Zutaten – aber keine Leber! Dank des Internetportals wissen wir aber jetzt, dass der leberlose Leberkäse zumindest juristisch nicht zu beanstanden ist. Denn die „Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ schreiben unter Ziffer 2.222.2 zwar Leber als Zutat vor, allerdings nur für Leberkäse, nicht für „Bayerischen Leberkäse“. Deshalb, so räumt das Internetportal ein, könnten Verbraucher von der „Verkehrsbezeichnung Bayerischer Leberkäse“ getäuscht werden. So ist es! Vor allem in Nordrhein-Westfalen, einer Hochburg von Currywurst mit Pommes rot-weiß, sind schon Zigtausende dem Bayerischen Leberkäse aufgesessen. Dass keine Leber drin ist, haben die meisten zwar nicht einmal bemerkt, dass aber kein Käse drin ist, schon. Einen ähnlichen Skandal könnte auch die „Sommer-Grütze“ von Dr. Oetker heraufbeschwören. Sie enthält Pfirsich, Papaya, den Saft von Orangen, Maracuja und Zitronen. Und ja, sie schmeckt lecker, lecker, lecker. Aber – wir haben es selbst recherchiert – in einem 500-Gramm-Becher „Sommer-Grütze“ befindet sich kein einziges Gramm Sommer! Sorry, lieber Dr. Oetker, aber das geht definitiv zu weit. Behalten Sie Ihre Grütze, wir bevorzugen ehrliche Hausmannskost: Heute gibt's Zigeunerschnitzel mit Bauernsalat. Da weiß man wenigstens, was drin ist.