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    Glosse: Roms Rolle rückwärts

    Die Medienstrategen im Vatikan können zufrieden sein: Erst hat man mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin Titanic bewiesen, dass man knallhart zuschlagen kann, wenn Unholde nördlich der Alpen den Papst öffentlich verunglimpfen wollen. Doch dann hat man Gnade walten lassen und das Gesicht christlicher Barmherzigkeit gezeigt. Einen Tag vor Prozessbeginn zog Rom den Antrag wieder zurück und erweist sich damit von jener väterlichen Güte, die alles verzeiht. Dumm nur, dass sich das Ganze somit zu einer Riesenwerbung für das Magazin auswuchs, von dem bis zu dem vatikanischen Doppelschlag die meisten gar nicht wussten, dass es das Ding überhaupt gab.

    Die Medienstrategen im Vatikan können zufrieden sein: Erst hat man mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin Titanic bewiesen, dass man knallhart zuschlagen kann, wenn Unholde nördlich der Alpen den Papst öffentlich verunglimpfen wollen. Doch dann hat man Gnade walten lassen und das Gesicht christlicher Barmherzigkeit gezeigt. Einen Tag vor Prozessbeginn zog Rom den Antrag wieder zurück und erweist sich damit von jener väterlichen Güte, die alles verzeiht. Dumm nur, dass sich das Ganze somit zu einer Riesenwerbung für das Magazin auswuchs, von dem bis zu dem vatikanischen Doppelschlag die meisten gar nicht wussten, dass es das Ding überhaupt gab.

    Genüsslich werden die Macher des Blatts Honig daraus saugen, dass man das mächtige Staatssekretariat des Vatikan zu einer Rolle rückwärts veranlassen konnte. Aber was heißt das schon? Wenn man schon nach der Devise des Evangeliums lebt, nach einem Schlag auf die Wange auch die andere Backe hinzuhalten – dann aber richtig. Nur so vermittelt man vor der Welt den Eindruck schriftgemäßer Glaubwürdigkeit. Wobei pragmatischer eingestellte Vatikanprälaten nun befürchten, dieser Akt gnadenhafter Großzügigkeit könne in Rom jetzt Schule machen. Indem etwa die Glaubenskongregation mit der ganzen Wucht ihres inquisitorischen Gewichts Anathema gegen häretische Theologen schleudert, um die Anklage dann mit einem treuherzigen Augenschlag wieder fallen zu lassen. Oder indem man einem diebischen Kammerdiener den Prozess macht, um ihn dann gleich wieder zu begnadigen. Es ist schon nicht leicht, im Ringen mit den Mächten der Finsternis Gerechtigkeit und väterliche Güte auszubalancieren. Doch das Schiff Petri fährt weiter, die Titanic aber wird untergehen.