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    Glosse: Revolution in Vatistan?

    Noch drei Wochen dieses Pontifikats, dann ist die säkulare Öffentlichkeit für ein paar schockierende Neuigkeiten vorbereitet. Die Schlagzeilen lauten dann: „Katholiken glauben nicht mehr an die Kurie!“ oder „Vatikan ist nicht dogmatisch abgesichert!“ Sensationsreporter werden dem staunenden Publikum enthüllen, dass der Papst seine schwarzen Schuhe selbst putzt und die Pasta-Portionen im Staatssekretariat seit dem Abend des 13. März spürbar kleiner geworden sind. Dem päpstlichen Wunsch nach einer armen Kirche folgend sollen deutsche Ordinariate jetzt Mineralwasser mit signifikant weniger Kohlensäure verwenden. Von einem Bischof heißt es gar, er gieße Wasser in den Wein seiner Gäste.

    Noch drei Wochen dieses Pontifikats, dann ist die säkulare Öffentlichkeit für ein paar schockierende Neuigkeiten vorbereitet. Die Schlagzeilen lauten dann: „Katholiken glauben nicht mehr an die Kurie!“ oder „Vatikan ist nicht dogmatisch abgesichert!“ Sensationsreporter werden dem staunenden Publikum enthüllen, dass der Papst seine schwarzen Schuhe selbst putzt und die Pasta-Portionen im Staatssekretariat seit dem Abend des 13. März spürbar kleiner geworden sind. Dem päpstlichen Wunsch nach einer armen Kirche folgend sollen deutsche Ordinariate jetzt Mineralwasser mit signifikant weniger Kohlensäure verwenden. Von einem Bischof heißt es gar, er gieße Wasser in den Wein seiner Gäste.

    Wirklich revolutionär, was da geschieht, wenn gleichzeitig die Zahl gläubiger Kircheninsider schrumpft und die Schar geschäftiger Kirchenkommentatoren wächst. Der plumpe Einwand, dass Katholiken auch bisher nicht an die Kurie glaubten, dass zwar die Kirche, nicht aber der Vatikan im Credo verankert ist, verhallt ungehört. Spielverderber könnten daran erinnern, dass nicht Franziskus sondern Benedikt die Tiara aus dem päpstlichen Wappen verbannt und durch eine Mitra ersetzt hat, dass auch Petrus keine roten Schuhe trug, dass Johannes Paul II. die Zunft der Heraldiker viel mehr schockte als Franziskus, und dass auch Paul VI. eine Kurienreform durchzog. Aber dass Papst Franziskus sich bei dieser Reform von Kardinälen beraten lässt und nicht von Arthur D. Little, McKinsey und Roland Berger, das ist natürlich wirklich revolutionär! Stephan Baier