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    Glosse: Public Relations und Demut

    Marketing-Strategen aufgepasst: Wie bewirbt man bestmöglich eine Automarke? Man schenkt einfach dem Papst ein Luxusauto! Mancher Bischof hätte ihn womöglich behalten, Papst Franziskus möchte den weißen Sportwagen, der am Mittwochmorgen vor dem vatikanischen Gästehaus Santa Marta parkte, aber lieber spenden.

    Marketing-Strategen aufgepasst: Wie bewirbt man bestmöglich eine Automarke? Man schenkt einfach dem Papst ein Luxusauto! Mancher Bischof hätte ihn womöglich behalten, Papst Franziskus möchte den weißen Sportwagen, der am Mittwochmorgen vor dem vatikanischen Gästehaus Santa Marta parkte, aber lieber spenden.

    Der Autobauer aus dem italienischen Sant'Agata Bolognese hat den Luxuswagen in weiß-goldener Vatikanoptik als Geschenk für den Papst gefertigt, wohl wissend, dass Franziskus nicht gerade eine Vorliebe für Luxus hat. Ein neues Papamobil? Fehlanzeige, der alte Ford Focus tut es auch. Franziskus ist eben ein pragmatischer und unbestechlicher Jesuit, der statt einer Spritztour mit 320 km/h lieber ein weiteres Zeichen der Bescheidenheit setzt. Ist das mit Entweltlichung und Depotenzierung gemeint?

    Vor 500 Jahren wurde der prunkvolle Petersdom durch die Ablässe der Armen finanziert, heute läuten die Glocken in die andere Richtung: Option für die Armen. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begann die Abrüstung kirchlicher Insignien. Die Papstkrone Pauls VI. wurde zugunsten der Armen verkauft, Benedikt XVI. ließ in seinem Papstwappen die Tiara durch eine Mitra ersetzen und Franziskus entschied sich für ein schlichtes Brustkreuz aus Eisen, als er auf die Loggia trat und „Guten Abend“ sagte.

    Man gibt sich bescheiden, wenn man zeigen möchte, dass man das Evangelium verstanden hat. Ein Lamborghini passt so gar nicht in die Agenda einer armen Kirche für die Armen. Das müsste eigentlich jeder Autobauer verstanden haben, der gerne Geschenke macht. Doch der gewiefte PR-Stratege weiß um die Macht der Bilder: Dass ein der Weltöffentlichkeit präsentiertes Foto mit Papst und Auto effektiver ist, als ein teuer beworbenes Foto eines Autos ohne Papst.

    Also, wer möchte das gesegnete und handsignierte Papamobil fahren und damit Christen in der Ninive-Region unterstützen und Frauen aus der Zwangsprostitution befreien? Der Sportwagen wird demnächst durch das britische Auktionshaus Sotheby's versteigert. Und vorher gibt's Gnocchi, denn am Sonntag lädt der Vatikan die Bedürftigen der Stadt Rom zur Armenspeisung. So geht Public-Relation, die was mit Beziehung zu tun hat.

    Benedikt Winkler

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