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    Glosse: Opera buffa statt good governance

    Demokratie könnte so schön sein, wenn da nicht die unberechenbaren Wähler wären. Italien ist dafür ein besonders schrilles Beispiel: Da waren sich alle maßgeblichen Kräfte einig – die Europäische Kommission, die Regierungschefs in den wichtigsten Partnerländern, die Europäische Zentralbank – dass nur der brave Professore Mario Monti mit seinem spezifischen, an Wolfgang Schäuble erinnernden Charme Italien aus der Krise führen könne. Aber was machen die Wähler? Die einen wählen einen linkslinken Apparatschik, die anderen einen Clown, wieder andere einen selbstverliebten Unterhaltungszampano, den nördlich der Alpen jeder auch nur halbwegs vernunftbegabte Mensch einfach nur noch peinlich finden muss. Wie kann ein Volk, das einen Cicero, einen Dante und einen Macchiavelli hervorbrachte, einem Berlusconi auch nur zuhören, ohne Gastritis zu bekommen? Ganz einfach: So wie ein Volk, das einen Michelangelo, einen Raffael und einen Leonardo da Vinci hervorbrachte, Plastikweihnachtskrippen mit in allen Regenbogenfarben blinkenden Sternen lieben kann. Man muss das nicht verstehen, analysieren, goutieren, aber sympathisch finden darf man es. So sind sie halt, unsere lieben Italiener! Sie wollen von ihren Politikern gar nicht regiert – sie wollen unterhalten werden. Sie wollen nicht „good governance“, sondern „opera buffa“. Sie wollen das Lustspiel und haben sich dazu lustige Figuren auf die politische Bühne geholt: Die Darsteller für Komödie und Tragödie sind jetzt auf der Bühne. Die Eintrittsgelder zahlen alle Europäer. Stephan Baier

    Demokratie könnte so schön sein, wenn da nicht die unberechenbaren Wähler wären. Italien ist dafür ein besonders schrilles Beispiel: Da waren sich alle maßgeblichen Kräfte einig – die Europäische Kommission, die Regierungschefs in den wichtigsten Partnerländern, die Europäische Zentralbank – dass nur der brave Professore Mario Monti mit seinem spezifischen, an Wolfgang Schäuble erinnernden Charme Italien aus der Krise führen könne. Aber was machen die Wähler? Die einen wählen einen linkslinken Apparatschik, die anderen einen Clown, wieder andere einen selbstverliebten Unterhaltungszampano, den nördlich der Alpen jeder auch nur halbwegs vernunftbegabte Mensch einfach nur noch peinlich finden muss. Wie kann ein Volk, das einen Cicero, einen Dante und einen Macchiavelli hervorbrachte, einem Berlusconi auch nur zuhören, ohne Gastritis zu bekommen? Ganz einfach: So wie ein Volk, das einen Michelangelo, einen Raffael und einen Leonardo da Vinci hervorbrachte, Plastikweihnachtskrippen mit in allen Regenbogenfarben blinkenden Sternen lieben kann. Man muss das nicht verstehen, analysieren, goutieren, aber sympathisch finden darf man es. So sind sie halt, unsere lieben Italiener! Sie wollen von ihren Politikern gar nicht regiert – sie wollen unterhalten werden. Sie wollen nicht „good governance“, sondern „opera buffa“. Sie wollen das Lustspiel und haben sich dazu lustige Figuren auf die politische Bühne geholt: Die Darsteller für Komödie und Tragödie sind jetzt auf der Bühne. Die Eintrittsgelder zahlen alle Europäer.