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    Glosse: Nomen et omen

    Dass Eigennamen das Wesen einer bestimmten Person oder Sache vorwegnehmen, das wusste bereits der alte Römer: Nomen est omen – der Name ist Vorzeichen. Einen Literaturnobelpreisträger der Kevin-Alexander heißt, kann man sich wohl ebenso schwer vorstellen wie ein Mannequin namens Hildegard. Ich habe zwar schon Rollatoren gesehen, auf denen „Troja“ stand, aber ausgeglichen wird das dann wieder von „Lifta“, dem Lift. Oder von „Volkswagen“. Nomen et omen – im Kopf wächst zusammen, was zusammengehört.

    Dass Eigennamen das Wesen einer bestimmten Person oder Sache vorwegnehmen, das wusste bereits der alte Römer: Nomen est omen – der Name ist Vorzeichen. Einen Literaturnobelpreisträger der Kevin-Alexander heißt, kann man sich wohl ebenso schwer vorstellen wie ein Mannequin namens Hildegard. Ich habe zwar schon Rollatoren gesehen, auf denen „Troja“ stand, aber ausgeglichen wird das dann wieder von „Lifta“, dem Lift. Oder von „Volkswagen“. Nomen et omen – im Kopf wächst zusammen, was zusammengehört.

    Ganz besonders gilt dies für eine Fahrt über die Dörfer und Dörflein Sachsens. Ich meine jetzt nicht mal „Bitterfeld“, sondern die Gegend südlich von Dresden. Dort findet man eine Autoreparaturwerkstatt gleich hinter dem Ortseingang von „Karsdorf“. Ironischerweise gibt es noch ein „Obercarsdorf“ (ja, mit c), wo es jedoch an entsprechenden Etablissements mangelt. Es folgen „Oberhäslich“ und „Elend“. Gucken Sie in Ihren Straßenatlas – ich denk mir das hier nicht aus! Fährt man durch diese Siedlungen, weiß man, dass der alte Römer manchmal eben doch nicht ganz so falsch lag. Eine Schmiede auf dem Berg wird kurzerhand zu „Schmiedeberg“, während jedoch in „Glashütte“ und „Bärenfels“ weder Glas und Hütte, noch Bär und Fels zu sehen sind. Zumindest nicht bei der Durchfahrt. Aber in Berlin gibt es ja auch eine „Jungfernheide“ und schon lange keine Heide mehr. Weiter geht es durch das südliche Sachsen, das sogenannte „Erzgebirge“, was darauf hindeutet, dass hier irgendwann mal ein besonders wichtiges Gebirge gestanden haben muss. So wie Erzbischof ja auch die Steigerung von Bischof ist. „Altenberg“: Rüstige Senioren in der Loipe. In „Kipsdorf“ kehren wir in eine Gaststätte ein. Im weiteren Verlauf des Abends erschließt sich mir, warum.

    Josef Bordat