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    Glosse: Liebe ist voller Überraschungen

    Wir lieben: Lebensmittel, Autos, Technik, Flugreisen, Schuhe, Kino, „to entertain you“ oder einfach nur „es“. Die Werbung von heute ist voll mit derlei Liebesbezeugungen. Wer so das Herz des Publikums umgarnt, der will nicht zum eigennützigen Konsumrausch animieren, sondern zur altruistischen Liebestat, die über den Umsatz geht. Slogans dieser Art appellieren also letztlich an den Christen in uns, dessen Existenz ja erst durch die Liebe zu seiner vollen Entfaltung gelangt. Die Soziale Marktwirtschaft steht kurz davor, sich zur liebenden weiterzuentwickeln. In dieser Sphäre hat der Raubtierkapitalismus nicht den Hauch einer Chance. Seine skrupellose Hire-and-Fire-Mentalität, die unerreichbare Renditeziele verordnet und dem Wohlleben anonymer Investoren mehr verpflichtet ist als dem Wohlergehen ganzer Volkswirtschaften, das dabei auch schon einmal aufs Spiel gesetzt wird, verpufft in vor Liebe glühenden Produzentenherzen. Adam Smith, in dem die FDP den Urahn ihrer Vorstellung von Marktwirtschaft und damit ihrer Existenzberechtigung erkennt, hat diesen Weg marktwirtschaftlicher Selbstlosigkeit vorgezeichnet. Als Moraltheologe einen Ausflug in die Nationalökonomie unternehmend, überraschte Smith die Welt mit der paradoxen Erkenntnis, dass den Interessen aller dient, wer sein wirtschaftliches Auskommen zur Maxime erhebt. Denn wer seinen Geldbeutel liebt, der liebt zugleich den Geldbeutel eines jeden anderen. Ja, die Liebe steckt voller Überraschungen. Bernhard Huber

    Wir lieben: Lebensmittel, Autos, Technik, Flugreisen, Schuhe, Kino, „to entertain you“ oder einfach nur „es“. Die Werbung von heute ist voll mit derlei Liebesbezeugungen. Wer so das Herz des Publikums umgarnt, der will nicht zum eigennützigen Konsumrausch animieren, sondern zur altruistischen Liebestat, die über den Umsatz geht. Slogans dieser Art appellieren also letztlich an den Christen in uns, dessen Existenz ja erst durch die Liebe zu seiner vollen Entfaltung gelangt. Die Soziale Marktwirtschaft steht kurz davor, sich zur liebenden weiterzuentwickeln. In dieser Sphäre hat der Raubtierkapitalismus nicht den Hauch einer Chance. Seine skrupellose Hire-and-Fire-Mentalität, die unerreichbare Renditeziele verordnet und dem Wohlleben anonymer Investoren mehr verpflichtet ist als dem Wohlergehen ganzer Volkswirtschaften, das dabei auch schon einmal aufs Spiel gesetzt wird, verpufft in vor Liebe glühenden Produzentenherzen. Adam Smith, in dem die FDP den Urahn ihrer Vorstellung von Marktwirtschaft und damit ihrer Existenzberechtigung erkennt, hat diesen Weg marktwirtschaftlicher Selbstlosigkeit vorgezeichnet. Als Moraltheologe einen Ausflug in die Nationalökonomie unternehmend, überraschte Smith die Welt mit der paradoxen Erkenntnis, dass den Interessen aller dient, wer sein wirtschaftliches Auskommen zur Maxime erhebt. Denn wer seinen Geldbeutel liebt, der liebt zugleich den Geldbeutel eines jeden anderen. Ja, die Liebe steckt voller Überraschungen. Bernhard Huber